02.12.2007: Elektronische Unternehmenskommunikation und ihr Einfluss auf die Unternehmenskultur
Von: Thomas Mickeleit
Am Wochenende hat der Bombardier-Kommunikations-Direktor und Autor Frank Martin Hein in seinem grozügigen Loft in der Berliner Torstr. die Salon-Tradition im besten Sinne wieder belebt. Und nicht nur das. Sein Verdienst ist, ein Buch herausgegeben zu haben, dass auf die aktuellen Diskussionen in unserer Profession erheblichen Einfluss haben dürfte. In dem Harry-Potter-dicken Band mit 609 Seiten beschreiben Kommunikatoren aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungshintergründen den Einfluss der elektronischen Unternehmenskommunikation auf die Kultur eines Unternehmens.
Das Buch "Elektronische Unternehmenskommunikation" ist in der Edition Horizont erschienen und der Preis von 98 € relativiert sich, wenn man ihn pro Gramm Buch dividiert. Die Autoren und Unterstützer trafen sich jetzt um den Abschluss des Buchprojekts zu feiern und vor allem, um die neuesten Trends in der elektronischen Unternehmenskommunikation zu diskutieren.
Natürlich kam zur Sprache, ob eine Präsenz in Second Life ein Muss ist. Jedenfalls ist es ein Muss, sich damit zu beschäftigen. Im übrigen verhält es sich mit den Social Networks wie mit den Szene-Clubs in der Hauptstadt. Gerade sind sie noch total hipp und überlaufen. Am nächsten Tagen wendet sich die Karawane einem anderen, neuen, schöneren, Ziel zu. Wer kann also sagen, ob Second Life, XING, StudieVZ oder Facebook eine Zukunft haben. Wir werden sehen.
Zwei Dinge sind mir wichtig: Bewegtbild und Wikis.
In Sachen Bewegtbild werde ich nicht müde zu vertreten, dass Bewegtbild das Leitmedium der Unternehenskommunikation werden wird - sei es intern oder extern. Treiber sind die veränderten Rezeptionsgewohnheiten (Youtube vs. Tageszeitungen); die räumlich verteilte Arbeit und nicht zuletzt die drastisch günstigeren Produktionskosten von digitalem hochauflösendem Bewegtbild. Nun geht es in der ganzen Debatte nicht nur um die Integration von elektronischen Kommunikationsinstrumenten, sondern vor allem um die Frage, welchen Einfluss sie auf die Veränderung der Unternehmenskultur haben. Ich kenne nicht wenige Unternehmen, z.T. aus engster Anschauung, bei der die Freigabe der Mitarbeiterzeitung über den Tisch des Vorstandsvorsitzenden erfolgt. Dabei bekommt er schon die weichgespülte Fassung, die über die "fachliche Abstimmung" im voreilenden Gehorsam frei von Informationsgehalt ist. Das soll meinetwegen so bleiben, wenn die parallele Beobachtung weiter Gültigkeit hat. Dieselben Vorstandsvorsitzenden haben sich erfreulicher Weise überhaupt nicht dafür interessiert, wie die neueste Sendung des Unternehmensfernsehen oder die aktuelle Intranetseite zum Thema XY beschaffen war. Still und doch mit großer Wirkung hat die Einführung neuer Medien dazu geführt, dass plötzlich Freiräume entstehen, in denen ein echter Diskurs z.B. mit Mitarbeitern stattfindet. Und natürlich kommt dann auch zum Tragen, dass all die elektronischen Kommunikationsinstrumente nicht nur per se dialogfähig sind, sondenr man zudem exakt messen kann, wie oft und wie lange Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich damit befassen.
Was die Wikis angeht, so ist das Thema bei Kommunikatoren ein unbestellter Acker. Häufig genug wird die Technologie mit der bekanntesten Anwendung, nämlich Wikipedia, gleich gesetzt - gefolgt von der Feststellung, dass man das im Unternehmen nicht brauche. Dabei wird übersehen, dass Wiki-Technologie dafür prädestiniert ist, Wissen in Unternehmen zu organisieren und collaborative Elemente in Organisationen einzuführen, die nicht selten genug gerne über einander aber nicht mit einander sprechen. Als Microsoft Manager muss ich natürlich darauf hinweisen, dass Wikis (und Blogs) im MS Sharepoint Portal Server 2007 mit wenigen Mausklicks eingerichtet sind und nichts extra kosten. Für uns Kommunikatoren eröffnen sich damit völlig neue Anwendungsmöglichkeiten, nicht zuletzt, um auch unsere eigenen Strukturen vernetzter und effizienter zu organisieren. Auch hier schält sich ein kultureller Change heraus, allerdings mit angezogener Handbremse. Es geht um die Frage, ob Unternehms-Wikis wie Wikipedia dem Zugriff und der Bearbeitung von allen Mitarbeitern ausgesetzt sein können oder ob es Sinn macht, jedenfalls die Bearbeitungsrechte selektiv zu vergeben. Und das macht Sinn, weil eben kein Grund besteht, dass z.B. der Finanzer seinen Senf zu einem Entwicklungsprojekt dazu gibt.
Jene haben am Samstag bei Frank Martin Hein disktutiert:
Dr. Georg Kolb, EVP, Text 100 Public Relations, New York
Ulrica Griffiths, Griffiths Consulting, München
Prof. Dr. Ayelt Komus, Fachhochschule Koblenz
Dr. Matthias Trier, Post-doc Research and Teaching Assistant, Technical University, Berlin
Claudia Mueller, Business Information Systems and Electronic Government, University of Potsdam
Lukas Birn, Leiter System Development, PSIPENTA AG, Berlin
Gerhard Rickes, Vice President Communications, SAP AG, Walldorf
Werner Zorn, Unternehmensberater, Tübingen
Martin Brem, Utopia Berlin, Utopia AG
Michael Kiess, IBM Development & Research, Stuttgart
Joanne Celens, CEO, Synthetron, Brüssel
Manuela Rost-Hein, Business Director, Pleon GmbH, Stuttgart
Susanne Sperber-Pflaumer, ehemals Vice President & Senior Consultant Text 100 Global Technology Public Relations, München; jetzt freie Kommunikationsberaterin
Anja, Blaschke, Unternehmenskommunikation, GSW Immobilien GmbH, Berlin
Norbert W. Daldrop, Geschäftsführer, avcommunication GmbH, Ludwigsburg
Marcus Strenk, Vorstandsmitglied, Prikom Verband, Berlin
Dr. Katja Pook, Wissenslogistik, reinisch AG, Karlsruhe
Prof. Thomas Mickeleit, Direktor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Microsoft Deutschland GmbH
Das Buch "Elektronische Unternehmenskommunikation" ist in der Edition Horizont erschienen und der Preis von 98 € relativiert sich, wenn man ihn pro Gramm Buch dividiert. Die Autoren und Unterstützer trafen sich jetzt um den Abschluss des Buchprojekts zu feiern und vor allem, um die neuesten Trends in der elektronischen Unternehmenskommunikation zu diskutieren.
Natürlich kam zur Sprache, ob eine Präsenz in Second Life ein Muss ist. Jedenfalls ist es ein Muss, sich damit zu beschäftigen. Im übrigen verhält es sich mit den Social Networks wie mit den Szene-Clubs in der Hauptstadt. Gerade sind sie noch total hipp und überlaufen. Am nächsten Tagen wendet sich die Karawane einem anderen, neuen, schöneren, Ziel zu. Wer kann also sagen, ob Second Life, XING, StudieVZ oder Facebook eine Zukunft haben. Wir werden sehen.
Zwei Dinge sind mir wichtig: Bewegtbild und Wikis.
In Sachen Bewegtbild werde ich nicht müde zu vertreten, dass Bewegtbild das Leitmedium der Unternehenskommunikation werden wird - sei es intern oder extern. Treiber sind die veränderten Rezeptionsgewohnheiten (Youtube vs. Tageszeitungen); die räumlich verteilte Arbeit und nicht zuletzt die drastisch günstigeren Produktionskosten von digitalem hochauflösendem Bewegtbild. Nun geht es in der ganzen Debatte nicht nur um die Integration von elektronischen Kommunikationsinstrumenten, sondern vor allem um die Frage, welchen Einfluss sie auf die Veränderung der Unternehmenskultur haben. Ich kenne nicht wenige Unternehmen, z.T. aus engster Anschauung, bei der die Freigabe der Mitarbeiterzeitung über den Tisch des Vorstandsvorsitzenden erfolgt. Dabei bekommt er schon die weichgespülte Fassung, die über die "fachliche Abstimmung" im voreilenden Gehorsam frei von Informationsgehalt ist. Das soll meinetwegen so bleiben, wenn die parallele Beobachtung weiter Gültigkeit hat. Dieselben Vorstandsvorsitzenden haben sich erfreulicher Weise überhaupt nicht dafür interessiert, wie die neueste Sendung des Unternehmensfernsehen oder die aktuelle Intranetseite zum Thema XY beschaffen war. Still und doch mit großer Wirkung hat die Einführung neuer Medien dazu geführt, dass plötzlich Freiräume entstehen, in denen ein echter Diskurs z.B. mit Mitarbeitern stattfindet. Und natürlich kommt dann auch zum Tragen, dass all die elektronischen Kommunikationsinstrumente nicht nur per se dialogfähig sind, sondenr man zudem exakt messen kann, wie oft und wie lange Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich damit befassen.
Was die Wikis angeht, so ist das Thema bei Kommunikatoren ein unbestellter Acker. Häufig genug wird die Technologie mit der bekanntesten Anwendung, nämlich Wikipedia, gleich gesetzt - gefolgt von der Feststellung, dass man das im Unternehmen nicht brauche. Dabei wird übersehen, dass Wiki-Technologie dafür prädestiniert ist, Wissen in Unternehmen zu organisieren und collaborative Elemente in Organisationen einzuführen, die nicht selten genug gerne über einander aber nicht mit einander sprechen. Als Microsoft Manager muss ich natürlich darauf hinweisen, dass Wikis (und Blogs) im MS Sharepoint Portal Server 2007 mit wenigen Mausklicks eingerichtet sind und nichts extra kosten. Für uns Kommunikatoren eröffnen sich damit völlig neue Anwendungsmöglichkeiten, nicht zuletzt, um auch unsere eigenen Strukturen vernetzter und effizienter zu organisieren. Auch hier schält sich ein kultureller Change heraus, allerdings mit angezogener Handbremse. Es geht um die Frage, ob Unternehms-Wikis wie Wikipedia dem Zugriff und der Bearbeitung von allen Mitarbeitern ausgesetzt sein können oder ob es Sinn macht, jedenfalls die Bearbeitungsrechte selektiv zu vergeben. Und das macht Sinn, weil eben kein Grund besteht, dass z.B. der Finanzer seinen Senf zu einem Entwicklungsprojekt dazu gibt.
Jene haben am Samstag bei Frank Martin Hein disktutiert:
Dr. Georg Kolb, EVP, Text 100 Public Relations, New York
Ulrica Griffiths, Griffiths Consulting, München
Prof. Dr. Ayelt Komus, Fachhochschule Koblenz
Dr. Matthias Trier, Post-doc Research and Teaching Assistant, Technical University, Berlin
Claudia Mueller, Business Information Systems and Electronic Government, University of Potsdam
Lukas Birn, Leiter System Development, PSIPENTA AG, Berlin
Gerhard Rickes, Vice President Communications, SAP AG, Walldorf
Werner Zorn, Unternehmensberater, Tübingen
Martin Brem, Utopia Berlin, Utopia AG
Michael Kiess, IBM Development & Research, Stuttgart
Joanne Celens, CEO, Synthetron, Brüssel
Manuela Rost-Hein, Business Director, Pleon GmbH, Stuttgart
Susanne Sperber-Pflaumer, ehemals Vice President & Senior Consultant Text 100 Global Technology Public Relations, München; jetzt freie Kommunikationsberaterin
Anja, Blaschke, Unternehmenskommunikation, GSW Immobilien GmbH, Berlin
Norbert W. Daldrop, Geschäftsführer, avcommunication GmbH, Ludwigsburg
Marcus Strenk, Vorstandsmitglied, Prikom Verband, Berlin
Dr. Katja Pook, Wissenslogistik, reinisch AG, Karlsruhe
Prof. Thomas Mickeleit, Direktor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Microsoft Deutschland GmbH
Tags: PR / Öffentlichkeitsarbeit / Berlin / Unternehmensfernsehen / Wikis / Internet TV / Leitmedien / PR-Trends







Nicht das Bewegtbild wird zum Leitmedium der Unternehmenskommunikation, sondern das Internet wird zur zentralen Kommunikationsplattform, die technisch alle digitalisierbaren Kanäle, Formate und Medien integriert. Hier können die Nutzerinnen ihrerseits alle für sie relevanten Inhalte mit hoher Eigenständigkeit selektieren, anreichern, integrieren und distribuieren. Daran muss sich die Unternehmenskommunikation und damit auch das Corporate TV orientieren.
In diesem Kontext erhält Visualität als eigenständiger Nachrichtenfaktor eine strategische Relevanz für Unternehmen. Deshalb werden (Bewegt-)Bildmedien eine entscheidende Rolle bei der Etablierung von Images spielen und damit wesentlich zum Erfolg von Unternehmen und Organisationen beitragen. Corporate TV kann sich deshalb nicht auf die reaktive Umsetzung beschränken, sondern muss sich als strategische Planungs- und Führungskategorie etablieren.
Das alles reicht aber nicht, um sich als Leitmedium zu etablieren, denn eine der wesentlichen Aufgaben der Unternehmenskommunikation ist es, dazu beizutragen, die Aufgaben des Unternehmens zu definieren. Erst wenn das geschehen ist, können wir mit dem Senden beginnen. Damit werden - streng genommen - die "Manager" zum Leitmedium der Unternehmenskommunikation, denn sie definieren, was zu tun ist.