Werte


Das war das Thema des jüngsten "Werteforums" der Wertekommission jetzt in Düsseldorf mit rund 100 Kommunikatoren. Zur Frage diskutierten die PR-Expertin Elke Neujahr, geschäftsführende Gesellschafterin Comm:Up, Werber Bernd M. Michael, ehem. CEO, Grey Worldwide, Bankenchef Dr. Wolf Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Aareal Bank, und Politikexperte und Unternehmensgründer Mathias Bucksteeg, geschäftsführender Gesellschafter Hidden Images.

Nach viel Klartext in der von Dr. Philipp Busch moderierten Runde verdichtete sich die Debatte auf vier klare Handlungsempfehlungen, die eine tragfähige Basis für glaubwürdige Wertekommunikation bilden:
- Haben Sie Mut – trauen Sie sich etwas
- Bleiben Sie authentisch – als Institution, aber gerade auch als Person
- Blenden Sie nie Ihren Instinkt, ihr Bauchgefühl aus
- Stellen Sie sich die richtigen Fragen, nicht die einfachen.

Drüben im Blog der Wertekommission steht eine aufsführliche Besprechung.

(Disclaimer: Ich selber bin in dem Verein aktiv.)


titelt das Manager Magazin diesen Monat. Beim Lesen rieb ich mir ungläubig die Augen. - Da beklagen die Autoren in ihrem 10-seitigen Beitrag:

„Ob ein Unternehmen börsennotiert ist oder Private Equity-Investoren gehört – immer weiter müssen Kosten gesenkt werden, immer weiter muss der Unternehmenswert steigen. Das Management kassiert Boni und zieht weiter – Dax-Vorstände werden schon nach durchschnittlich 4,7 Jahren abgelöst. […] so fragen sich inzwischen viele Profis, ob diese Art zu wirtschaften nicht an die Substanz geht – ob nicht die immer neuen Abmagerungskuren längst in Anorexie ausarten.“

Ja, es ist tatsächlich das Manager Magazin, was da vor mir liegt und nicht etwa die taz, der Vorwärts oder die Metallzeitung. Glauben Sie es oder nicht: In dem Beitrag wird der Vorschlag vorgestellt, Vorstände sollten verpflichtet werden, Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen „bis es ihnen weh tut“.


Die Frage scheint in diesen Tagen aktueller denn je. Und nachdem hier alle schamlos Werbung für ihre Bücher, Studien, Awards und sonstigen Veranstaltungen machen, reihe ich mich gerne ein:

"Vertrauen und Kommunikation: Verspielen Wirtschaft und Politik ihr wichtigstes Kapital?" ist die Fragestellung des 3. LPRS-Forums am 11. April in Leipzig. Dank großzügiger Sponsoren kann das Forum in diesem Jahr im berühmten Gewandhaus stattfinden und wartet mit einem hochkarätigen Podium auf:

Prof. Dr. Hermut Kormann, langj. Vorstandsvorsitzender der Voith AG
Bascha Mika, Chefredakteurin der taz
Maximilian Schöberl, Leiter Kommunikation und Politik der BMW AG
Dr. Thomas Steg, Stv. Sprecher der Bundesregierung
Prof. Dr. Betteke van Ruler, Chair Public Relations Division, ICA International Communication Association / Washington D.C.

Die Runde wird vom Journalisten Michael Geffken moderiert, der vielen u.a. als langjähriger w&v-Chefredakteur bekannt sein dürfte.

Veranstaltet wird das LPRS-Forum in diesem Jahr zusammen mit der Uni Leipzig zu Ehren des 60. Geburtstags von Prof. Dr. Günter Bentele. Nicht zuletzt deshalb dürfte sich die Veranstaltung als echter Branchentreff erweisen. Die Liste der bereits Angemeldeten läßt das jedenfalls vermuten.

Erwartet werden außerdem über 100 ehemalige Studenten von Professor Bentele, die heute in x Agenturen und Unternehmen in ganz Europa tätig sind. - Denn am Tag drauf veranstaltet der LPRS sein jährliches Alumnitreffen, dass ebenfalls mit einem spannenden Programm aufwartet. So werden etwa die LPRS-Fördermitglieder A&B One, Edelman, Fink & Fuchs, komm.passion, Neuland PR und Scholz & Friends die Alumni zur Diskussion an ihre Tische bitten.

Übrigens: Die Teilnahme am Forum ist grundsätzlich für alle Interessierten offen und kostenfrei, lediglich um Anmeldung wird aus organisatorischen Gründen gebeten. - Sie sind herzlich eingeladen!

Werbeblock Ende, zurück zum Hauptfilm.


Das Gericht in Chemnitz hat heute entschieden, dass die Lokführergewerkschaft auch den Güter- und Fernverkehr bestreiken darf. Meine persönliche Geschichte des Tages hat auch mit Lokführern zu tun. Sie handelt allerdings nicht von kommunikativer Strategie und kalkuliertem Image. Sondern von kollektiver Romantik und von persönlicher Identifikation. Es ist eine Mikro-Geschichte, die das Makro-Thema Bahn (Privatisierung, Teilprivatisierung, Streik... etc.) nicht erklären kann. Aber illustrieren und vielleicht ergänzen. Die Geschichte trug sich heute früh um kurz vor acht zu, auf einem Bahnhof. Es war Günthers letzte Fahrt.


26.04.2007: Das Siemens Momentum

Der erzwungene Abgang des Vorstandsvorsitzenden Kleinfeld bei Siemens markiert eine Zäsur. Oberflächlich betrachtet könnte man sagen: Nun entscheiden unwiderruflich auch die Massen-Medien mit bei der Corporate Governance. Aber haben sie das nicht schon immer getan? Borgward? Grundig? Herstatt? Krupp? Daimler?
Die eigentliche Zäsur des Falles Siemens scheint doch eher: Die eherne Logik des globalen Kapitalmarkts, die auf Dauer keine Verstöße gegen das Transparenzedikt zulässt und somit auch unprofessionelle Kommunikation unmittelbar mit dem Fallbeil richten muss, hat hier und jetzt eine der letzten Bastionen der Deutschland AG geschleift.