WSJ


Wer seinen Spaß an aggressiver PR hat, der kommt beim neuen amerikanischen Wirtschafts-Sender FOX Business Network derzeit auf seine Kosten. Der jüngste Spross aus dem Imperium des Medien-Unternehmers Rupert Murdoch soll an diesem Montag in den USA an den Start gehen und Platzhirsch CNBC Konkurrenz machen - einen ersten Einblick gibt's schon auf der homepage.

Zwar hält sich der Sender mit Programm-Aussagen noch zurück, dafür zieht Fox News President Roger Ailes schon mal mit teils martialischen Sprüchen über CNBC her: "Wenn sie uns nicht gleich am Anfang in der Wiege den Hals umdrehen, dann wird es für sie mit jedem Tag schlimmer werden", sagte er im Interview des Wall Street Journal (WSJ). Die patriotische Ausrichtung des neuen Kanals folgt strikt der konservativen Linie der gesamten FOX-Gruppe: CNBC sei oft zu negativ der US-Wirtschaft und den Unternehmen gegenüber. Ailes weiß, wovon er spricht, war er doch früher selbst einmal President des jetzigen Erzfeindes CNBC.

Die Wirtschafts-Sender haben zwar keine allzu große Reichweite, aber eine um so vermögendere Zielgruppe - ein Leckerbissen für die Werbebranche. Spannend auch: Am FOX Business Network werden sich erste Züge von Murdochs künftigem Umgang mit dem WSJ ablesen lassen, das er sich gerade eben mitsamt dem WSJ-Mutterkonzern Dow Jones einverleibt habt. Derzeit hat das WSJ noch eine intensive Content-Partnerschaft ausgerechnet mit CNBC. Die Konkurrent hat sich zum Start des neuen Wettbewerbers gewappnet: Bloomberg Television, der dritte Player im Markt, verpasste sich einen neuen Auftritt und CNBC ärgerte Ailes mit dem Slogan: "CNBC - America's Business Network". Ring frei!


Die mögliche Übernahme des Wall Street Journal durch Rupert Murdoch liefert den Hinterrgund für eine exzellente Titelgeschichte der TIME diese Woche. Mittendrin - leicht versteckt - findet sich ein Gednakengang, wie die Zukunft des WSJ aussehen könnte:

"What if, at the Journal, we spent $100 million a year hiring all the best business journalists in the world? Say 200 of them. And spent some money on establishing the brand but went global--a great, great newspaper with big, iconic names, outstanding writers, reporters, experts. And then you make it free, online only. No printing plants, no paper, no trucks. How long would it take for the advertising to come? It would be successful, it would work and you'd make ... a little bit of money. Then again, the Journal and the Times make very little money now."

Also: Das "WSJ" ein reines Online-Medium? Die Diskussion um die Zukunft der gedruckten Zeitung geht damit sicherlich eine entscheidende Runde weiter.