Krisenkommunikation


Ob "schwarze Konten" in Liechtenstein, "Lustreisen" bei Volkswagen, Schleichwerbung in der ARD, Korruptionsaffären bei Siemens oder Datenmissbrauchs- und Bespitzelungsskandale bei der Deutschen Bahn und der Deutschen Telekom – kaum eine Branche und kaum ein Lebensbereich bleiben von Negativschlagzeilen über tatsächliche oder vermeintliche Fehltritte ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter verschont.

Doch wie entstehen eigentlich Skandale? Welche Rolle spielen investigative Journalisten und "Whistle-Blower" aus dem Kreis der eigenen Mitarbeiter? Auf welche rechtlichen Regelungen können sich Betroffene berufen? Wie gelingt es Kommunikationsverantwortlichen und Führungskräften, Skandale und Affären erfolgreich zu bewältigen?

Antworten auf diese und andere Fragen geben fünfzehn namhafte Fachleute am Mittwoch, 29. April 2009, an der Universität Hamburg. Die Referenten kommen u.a. von UNICEF, Vattenfall, Greenpeace, dem Landgericht Köln und der Universität Hamburg. Rudolf Scharping berichtet über die Skandalbewältigung nach den Dopingaffären im Radsport und Dr. Michel Friedman über die Entstehung und Vermeidung von Skandalen in der Politik.

Eine Podiumsrunde zur Rolle der Medien bei Skandalen u.a. mit Chefredakteuren und Journalisten von Spiegel Online, dem Hamburger Abendblatt, Stern und Panorama (NDR) rundet die Veranstaltung ab. Veranstaltungspartner sind die news aktuell GmbH und die Deutsche Gesellschaft für Krisenmanagement e.V. (DGfKM) sowie die Fachzeitschriften "journalist" und "prmagazin".

Weitere Informationen unter www.skandalgipfel.de.


Auf geschlungenen Pfaden wand sich in den vergangenen Tagen die Unternehmenskommunikation der Messe München. Nur einen Tag vor der Bekanntgabe, dass die aktuell noch bis Freitag laufende, aber seit Jahren schrumpfende IT-Messe "Systems" nach inzwischen 40 Jahren in ihrer bisherigen Form eingestellt werde (s. z.B. Eilmeldung bei it-business.de, hatte das Ganze noch völlig anders geklungen: Noch am Dienstagmorgen (11:18 Uhr) hatte silicon.de optimistisch die "Rückkehr der Großen [Aussteller]" verkündet, während die Messegesellschaft nach wie vor meinte, die Systems sei die "führende B2B-Messe der ITK-Branche in Deutschland". Den erneuten Besucher- und Ausstellerrückgang versuchte Geschäftsführer Klaus Dittrich als "Erfolg" auszulegen: Immerhin sei es gelungen, mehr Kundenveranstaltungen und Kongresse anzubieten. Dieser Trend weg vom Vermieten reiner Ausstellungsfläche hin zu möglichst vielen Fachveranstaltungen ist besonders stark auch auf der CeBIT zu spüren; im Grunde genommen verfolgen diesbezüglich aber alle Messegesellschaften in Deutschland das gleich Ziel.
Auch im Interview mit den Computer Reseller News am Dienstag kein Wort von einer möglichen Beendigung der Messe. Die Überschrift des Interviews wirkt zwei Tage später wie vom anderen Stern: "Messe-Chef Dittrich ist optimistisch".

Das neue Kongressformat aus München wird jedenfalls in der Branche mit Spannung und von den Mitbewerbern (vor allem auch aus dem Weiterbildungsbereich) mit Sorge erwartet. Die bisherigen Ankündigungen sind viel versprechend: Konsequent B2B, Stärkung der Prozess-Themen, betont interaktive Formate und die geplante Verschmelzung mit der parallel zur Systems stattfindenden "Communication World". Außerdem ist geplant, eine "Blogger-Lounge" einzurichten...wir sind gespannt!


An der Donau-Universität Krems tagen vom 5. bis 7. März 2008 die Kommunikationsmanager und Lobbyisten zahlreicher europaweittätiger Unternehmen und Behörden. Auf der Agenda der öffentlichen Fachtagung stehen u.a. das politische Themenmanagement während der EU-Ratspräsidentschaft (Bundeskanzleramt), gemeinsame Krisenstrategien angesichts des Klimawandels in Mitteleuropa (Alpenkonvention), Möglichkeiten der betrieblichen Krisenfrüherkennung durch EU-Lobbying (Industriellenvereinigung) und Terrorismusprävention in Städten (Bundesamt für Verfassungsschutz). Auch die Kommunikationsstrategien gegen feindliche Übernahmen (Erste Bank), die Krisenprävention bei Großereignissen (Papstbesuch in Österreich), das Issues Management in Osteuropa (OMV AG) und das Krisenmanagement im Gesundheitswesen (Landeskrankenhäuser) werden in Fallstudienvorträgen von namhaften Referentinnen und Referenten beim Europäischen Krisengipfel 2008 behandelt.



Welche kommunikativen Kräfte in sozialen Netzwerken entstehen können, das durfte in den letzten Tagen das geschätzte Management von XING erleben. Offensichtlich allein aufgrund des Drucks der eigenen Community machte man an diesem Wochenende einen Rückzieher in Sachen Werbung und stellt seit gestern die Profilseiten von Premium-Mitgliedern generell werbefrei. Aus PR-Sicht ist daran interessant, wie sehr der Rückzug in den einschlägigen Blogs diskutiert wird. Offensichtlich hat XING selbst dazu beigetragen und zahlreiche Blogger aktiv angeschrieben, um sie über den eigenen Rückzug zu informieren. Ich frage mich, ob man damit nicht unnötig Staub aufgewirbelt hat. Denn letztlich ist der Schritt nach facebook und studiVZ ja nicht wirklich überraschend (vgl. zweinull.cc ). Wie dem auch sei, die Entscheidung von Lars Hinrichs ist konsequent und transparent. Sie verdient den Respekt der gesamten Branche, denn damit stellt das XING-Team einmal mehr seine eigene Lernfähigkeit unter Beweis. Eine Fähigkeit, die Peter Turi zu Recht als das Wichtigste im Web 2.0 herausstellt.


Kaum ein anderer Krisenfall hat die Öffentlichkeit im Jahr 2007 so sehr erregt wie der "tiefe Fall von Vattenfall" (Die Zeit 30/2007). Was als Brand in einem Transformatorgebäude begann, wurde binnen Tagen zum medialen Super-GAU. Politiker aller Couleur und selbst der Kraftwerks-Kooperationspartner E.ON ließen kein gutes Haar an dem schwedischen Energiekonzern. Doch waren bei Vattenfall wirklich Kommunikations-Dilettanten am Werk?

Eine achtseitige Fallstudie im aktuellen Heft von "transparent", einem Magazin für Risikowahrnehmung und Dialogbereitschaft, lässt die Ereignisse jener Tage Revue passieren. Der Beitrag unter dem Titel "Krisenkommunikation: Wie lassen sich "lose-lose-"Situationen bewältigen?" kann im Internet unter www.transparent-online.de als .pdf-Dokument abgerufen werden.

Eine anregende Lektüre, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht ...

Frank Roselieb
Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel


Eine peinliche IT-Panne beim U.S. Department of Homeland Security - etwa vergleichbar mit dem deutschen Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe - sorgt derzeit in den USA für Schlagzeilen:

Als ein Geschäftsmann aus North Carolina seine E-Mail-Adresse für den täglichen Anti-Terrorismus-Newsletter ändern wollte, wurde diese Nachricht kurzerhand an den gesamten Verteiler versandt. Ursache war vermutlich eine falsch programmierte Newsletter-Software des US-Katastrophenschutzamts. Diese löste durch Antwort-E-Mails eine wahre Spam-Lawine mit etwa 2,2 Millionen weiteren E-Mails innerhalb nur eines Tages aus.

Bleibt zu hoffen, dass die US-amerikanischen Katastrophenschützer die staatlichen "kritischen Infrastrukturen" besser schützen als ihre eigenen.

Frank Roselieb
Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel


Im Trubel um die Oscar-Verleihung an Florian Henckel von Donnersmarck ist ein anderer Medienpreis etwas ins Hintertreffen geraten: Der Adolf Grimme-Preis 2007 ging u.a. an die WDR-Redaktion "Monitor" für die Aufdeckung des Skandals "Bezahlter Lobbyismus in Bundesministerien" - ein Paradebeispiel für investigativen Journalismus.


Was passiert, wenn es passiert? Der Kommunikations-GAU. Vier von fünf PR-Schaffenden sehen bei den Unternehmen Defizite, wenn es Unangenehmes zu berichten gibt. Davon sind Unternehmen, ab einer Größenordnung von mehr als 500 Mitarbeitern am stärksten betroffen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „PR-Trendmonitor“ von news aktuell und Faktenkontor.

Dabei sind die Schwächen in der Krisenkommunikation hausgemacht. Denn der Stellenwert der Presseabteilungen hinkt hinter der tatsächlichen Bedeutung für den Außenauftritt der Unternehmen hinterher. So bewerten die Fach- und Führungskräfte aus der Kommunikationsbranche die Pressestellen zwar nahezu gleichrangig mit der Marketingabteilung. Aber immerhin hält jeder Dritte sogar das Chefsekretariat für gleichbedeutend.

Besonders fatal: Die PR-Agenturen, die als unabhängige Dritte in die Unternehmen hineinsehen, halten den schwachen Stellenwert der Pressearbeit für noch gravierender. Zwei von drei Agenturen schätzen die Abteilungen Forschung & Entwicklung und Produktmanagement bedeutsamer ein. Schon die Ergebnisse des letzten PR-Trendmonitors, die das geringe Ansehen von Pressesprechern bei der Geschäftsführung aufzeigten, deuteten daraufhin, dass Pressearbeit in den Unternehmen nicht so wahrgenommen wird, wie sich PR-Verbandschefs und die Betroffenen selber wünschen.


Heute morgen schlage ich die WELT auf und entdecke auf Seite 16 einen ganzseitigen Artikel über StudiVZ. Lange schon bestimmt dieses Unternehmen die Blogosphere, nun also auch die Tageszeitungen.
WELT

Schöne Geschichte, nett illustriert, doch nichts im Vergleich zur Online-Version derselben Geschichte. Hier integriert die WELT direkt die genannten YouTube-Videos. So macht Online-Journalismus Sinn und man versteht, was die neue Springer-Strategie leisten kann.
Doch zurück zu StudiVZ, was hat es mit den ganzen Geschichten eigentlich auf sich? Verfolgen die Macher eine erfolgreiche PR-Strategie oder haben sie einfach keine Ahnung? Meines Erachtens sind sie zwar Talk of Town, doch dürfte der Imageschaden mittlerweile überwiegen. What do you think?


05.10.2006: mcm forum St.Gallen

Gestern war ich zum ersten Mal an der Uni St. Gallen. Nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern auch inhaltlich sehr spannend. Prof. Miriam Meckel hatte zum alljährlichen mcm forum Ihres Instituts geladen. Insgesamt konnte man eine ausgewogene Veranstaltung von Theorie und Praxis verfolgen. Dies zeigen auch alle Blogs vom Event. Ach ja...Zukunftsforscher Matthias Horx stellte eher nebensächlich fest, dass Kommunikation letztlich der Schaffung von Distanz dient. Eine Feststellung, die sicherlich so unerwartet wie zutreffend war. Nachdem Torsten Ahlers den ersten AOL Vortrag des Tages gehalten hatte, durfte ich dann noch spontan den Kollegen Mickeleit auf dem Podium vertreten und AOL nochmals in Szene setzen. Bernetblog hat das mal zusammengefasst. Danach habe ich dann leider den Vortrag von Lars Hinrichs verpasst. Glücklicherweise konnte ich die wesentlichen Punkte aber gerade bei nutzbar.ch nachlesen. Im Überangebot der derzeitigen Web 2.0 Veranstaltungen sicherlich ein Lichtblick mit Mehrwert. St. Gallen ist halt einen Besuch wert.