Kommunikationsverhalten


Es ist überall auf der Welt dasselbe Spiel: Kaum stehen ausländische Konzerne zur Übernahme eines heimischen Unternehmens vor der Tür, ist die nationale Aufregung inklusive PR-Schlacht groß. Nein, es geht nicht um Deutschland – sondern um die USA. Die Hochburg des Kapitalismus ist da kein bisschen anders als andere Nationen.

Jüngste Beispiele: Der milliardenschwere Tankflugzeug-Auftrag an den europäischen EADS-Konzern soll zugunsten von Boeing gekippt werden und die mögliche Übernahme des US-Brauriesen Anheuser-Busch durch den belgischen InBev-Konzern gilt so manchen gleich als Ausverkauf Amerikas. Ganz zu schweigen vom Einstieg asiatischer Staatsfonds bei US-Banken im Zuge der Kreditkrise, als einige schon nach Gesetzen gegen zu starken ausländischen Einfluss aufs US-Finanzsystem riefen.

Vielen macht Globalisierung eben nur als Einbahnstraße Spaß. Ihre Verfechter sollten vielleicht erst einmal ihre Hausaufgaben machen, ehe sie so gern „Übernahme-Opfer“ andernorts belehren wollen.


titelt das Manager Magazin diesen Monat. Beim Lesen rieb ich mir ungläubig die Augen. - Da beklagen die Autoren in ihrem 10-seitigen Beitrag:

„Ob ein Unternehmen börsennotiert ist oder Private Equity-Investoren gehört – immer weiter müssen Kosten gesenkt werden, immer weiter muss der Unternehmenswert steigen. Das Management kassiert Boni und zieht weiter – Dax-Vorstände werden schon nach durchschnittlich 4,7 Jahren abgelöst. […] so fragen sich inzwischen viele Profis, ob diese Art zu wirtschaften nicht an die Substanz geht – ob nicht die immer neuen Abmagerungskuren längst in Anorexie ausarten.“

Ja, es ist tatsächlich das Manager Magazin, was da vor mir liegt und nicht etwa die taz, der Vorwärts oder die Metallzeitung. Glauben Sie es oder nicht: In dem Beitrag wird der Vorschlag vorgestellt, Vorstände sollten verpflichtet werden, Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen „bis es ihnen weh tut“.


Wie vermeldet ist mit Jean Baudrillard einer der großen modernen Philosophen und Medientheoretiker gestorben. Sicher wird diese Meldung nur wenige Menschen wirklich interessieren, gehören doch Philosophen heute kaum zu den Menschen, die großen Einfluss auf die Mehrheit der Bevölkerung haben. Schade eigentlich.

Aber Baudrillard hat dies sicher verstanden. War ihm doch die Funktionsweise von Medien und die Entstehung von "Wirklichkeit" - und damit Wirkung - so vertraut, dass er schon seit Jahrzehnten Dinge erahnte, die heute Realität geworden sind (wobei das Wort "Realität" eigentlich gerade bei ihm nicht passt).

Der SPIEGEL ONLINE Nachruf zieht einen direkten Bogen von Baudrillards Schriften zur virtuellen Welt Second Life - was ja auch naheliegt (ein Kommentar in SZ Online verdammt diese Deutung jedoch auf recht "amüsante" Weise). War doch die Virtualisierung der Realität durch die digitalen / elektronischen Medien eines der Hauptthemen seines Denkens.

Ich bedauere es, dass generell zu wenig Zeit vorhanden ist, um sich als PR-Spezialist oder Medienkenner mit diesen Themen ausführlicher zu befassen. Im Rahmen einer kleinen persönlichen Umfrage konnte mir kein Befragter sagen, was es mit Baudrillard auf sich hat. Praxisferne ist sicher ein großes Manko in der heutigen Ausbildung - aber manchmal denke ich, dass auch ein bisschen mehr ausgeprägte Theorienähe manchmal nicht schaden könnte, um Prozesse in der Entstehung von Nachrichten zu verstehen, zu deuten - und in die eigene Arbeit einfließen zu lassen.

Aber wahrscheinlich spricht hier nur der in der Realität gelandete Ex-Geisteswissenschaftler.


Zunehmend lässt sich neben Politikern, die als Volksvertreter fast naturgemäß unter öffentlicher Beobachtung stehen, eine weitere Personengruppe identifizieren, auf denen ständig das wachsame Auge der Medien ruht: Die Führungsebene der großen Unternehmen in Deutschland.
Was Politiker auf ihrer "Ochsentour" in hohe Staatsämter bereits früh kennen gelernt haben ist für viele Manager oftmals eine neue und zunehmend auch schmerzhafte Erfahrung. Medien kommentieren und sezieren jeden größeren oder kleineren Fehltritt. Manager mit geringer Medienerfahrung stehen den stichwortartigen Verkürzungen in Schlagzeilenform, die einer zusammenhängenden Problematik nur selten gerecht werden oftmals staunend gegenüber.
Größer, lauter, provokanter: Um in der heutigen Mediengesellschaft noch die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser zu wecken, werden nicht nur die Schlagzeilen ständig überspitzter. Fast täglich wird eine neue mediale "Sau durchs Dorf getrieben", nicht zuletzt, um sich von den konkurrenzblättern abzugrenzen. Die Zeitung als berichterstattende Chronik, das ist längst nur noch Erinnerung an eine ferne Vergangenheit. Informationen werden zunehmend und immer schneller zur Ware auf der Jagd nach Quoten und Auflagen. Meldungen werden von Nachrichtenagenturen übernommen, ohne überprüft zu werden. Der tägliche Kampf um die Nachtichtenbilder hat deutlich an härte zugenommen.


Ulf J. Froitzheim, seit über 20 Jahren Journalist, zeichnete ein frisches und mutiges Bild des Qualitätsjournalismus der Zukunft beim Nextperts Breakfast gestern in München.
Er selbst als Journalist traute er sich, den Glauben an unabhängigen Journalismus gut durchzuschütteln und in Frage zu stellen.
Er forderte klare Qualitätssicherungssysteme und zeigte anschaulich, dass diese selbst bei Topmedien, deren Medienmarke höchste Glaubwürdigkeit genießt, schon lange nicht mehr selbstverständlich sind. Ohne jegliche Betriebsblindheit und sehr realistisch legte er den Finger in die Wunde der wichtigsten Treiber dieses „Verfalles“: Geldmangel und Zeitmangel.


Die Wissenschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung experimentiert seit zwei Wochen und lässt ihre Leser online den einen oder anderen Artikel mit diskutieren. Bei der Premiere wurde vor allem das Prinzip erläutert, einzelne Texte vorab online einer Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen, um deren Kommentare gleich einarbeiten zu können, ehe der "fertige" Artikel erschien. Jetzt dann drei Seiten im Wissenschaftsteil, unter der großen Frage "Wie viel Weisheit steckt im Web 2.0?" - online schon seit Freitag verfügbar und immerhin vor dem Erscheinen der Print-Ausgabe dreizehnmal kommentiert.

Die Redaktion gibt sich Mühe, einzelne Kommentare der Online-Leser als Blöcke in den Printtext einzubauen, zu einem richtig interaktiven Austausch kommt es aber (noch) nicht.

Aber: Versuche wie dieser zeigen, dass Verlage wie Redaktionen langsam ihre Schritte in Richtung Dialog zwischen Redaktion und Rezipient gehen. Und das wird noch spannend werden!




Neulich auf der D21 Jahrestagung zitierte Ossi Urchs ein Papier von Marc Prensky zum Thema Digital Natives, sprich den nach 1980 geborenen Menschen, die keine Welt ohne PCs, Handies und andere digitale Gadgets kennen. Die älteren unter uns - sind übrigens die Digital Immigrants ;-)

Das Marktforschungsinstitut Forrester Research hat im Auftrag unseres Kunden Xerox das Thema aufgegriffen: «Digital Natives» und ihr Einfluss auf die Arbeitswelt. Befragt wurden 1.250 Geschäftsführer und leitende Angestellte in 16 europäischen Ländern.

Diese auch als «Millennials» bezeichnete Generation, die von Kindesbeinen an mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien vertraut ist, bringt nun diese Erfahrungen ins Berufsleben ein. Die Studie beleuchtet Trends am Arbeitsplatz und zeigt, wie Millennials mit ihrem Arbeitsstil und Kommunikationsverhalten die Berufswelt beeinflussen.

Die Kernaussagen der Studie: