Innovationskommunikation


Zum Ende unseres mediacoffee-Blogs (siehe Ankündigung von Jens Petersen) sei noch etwas Werbung in eigener Sache gestattet. -- Auch auf die Gefahr hin, Klaus Jarchows These von der mangelnden Dialogfähigkeit der PR noch zu stützen... ;-)

(1)
Zum Thema Innovationskommunikation wird es auch als Blog eine Fortsetzung geben. Wir arbeiten daran und geben Bescheid. Wer möchte, kann unterdessen im XING-Forum "Innovationsmanagement" mitlesen. Hier haben wir zusammen mit gut 5.500 Experten in den vergangenen vier Jahren fast 7.000 Diskussionen geführt. Nicht nur zu Kommunikaiton, natürlich, aber eben dazu auch.

(2)
Neu erschienen ist gerade die dritte Auflage von "Wissenschaft kommunizieren".
Seit dem heutigen Web-Relaunch lässt sich die erste Ausgabe komplett als E-Paper durchblättern, und Abonnenten können jetzt Dutzende Fachbeiträge kostenfrei herunterladen. Der Verlag war so nett, mir zu gestatten, einen Teil meines eigenen Beitrags hier noch zur Diskussion zu stellen -- beeilt euch, morgen ist Feierabend! ;-)


Der (anonyme) Absolvent einer Journalistenschule hat dem Wikipedia-Eintrag zu unserem neuen Bundeswirtschaftsminister einen zehnten Vornamen dazugedichtet, was von nahezu allen Qualitätsmedien dieses Landes ungeprüft übernommen wurde, so ein Bericht von zapp. Nicht nur auf die Zuverlässigkeit der Quelle Wikipedia wirft dies ein schlechtes Licht, sondern auch auf die Recherchekompetenz der "herkömmlichen" Presse, meint der Anonyme in einem Gastbeitrag des BILDblogs (denn auch BILD druckte den falschen Vornamen auf der Titelseite) -- womit wir wieder beim üblichen "Blogging killed the Journalism Star" wären...
"Spiegel Online schrieb sogar, der neue Minister würde sich selbst mit dem Namen vorstellen, den ich ihm wenige Stunden zuvor gegeben hatte", schreibt der anonyme "Fälscher", mit dem jetzt ein Interview auf zeit.de erschienen ist. Spannend hierbei ist vor allem die Tatsache, dass Zweifel an der Richtigkeit der Quelle (Wikipedia) mit genau jenen Veröffentlichungen ausgeräumt wurden, die ursprünglich auf die Quelle Bezug genommen hatten. Sehr berechtigte Frage des Interviews: "Müssen Sie ein System wirklich hacken, um zu zeigen, dass es Probleme hat?" Oder sind 90% Richtigkeit vielleicht sogar gar nicht so schlecht...? ;-)



Einen rund 20-seitigen Themenschwerpunkt zu „Innovationskommunikation“ bietet der im F.A.Z.-Institut erscheinende „Innovations-Manager“ in seiner aktuellen Ausgabe (04/2008).
Das Heft gibt einen Überblick, vor allem zur Anwendung von Web-2.0-Werkzeugen und zur Zuspitzung von Produktbotschaften in der Unternehmenskommunikation. Ansgar Zerfaß macht in einem Interview die Relevanz kommunikationswissenschaftlicher Methoden wie etwa des „Framings“ für eine länder- und themenspezifische Technologie-PR deutlich.
IM-Cover
(Framing: -> Medienwirkungsforschung: Interpretation von Botschaften und Veränderung von „Deutungsrahmen“ durch den „Absender“).
In der aktuellen Ausgabe des „Innovations-Managers“ geht es außerdem um Praxisbeispiele von Siemens, MAN, Cisco u.a.m., und auch das Bundeswirtschaftsministerium hat einen Beitrag zu seinem „TOP-Programm“ beigesteuert.
Ein Artikel zur Rolle der Unternehmenskommunikation bei Open Innovation kommt von Prof. Täube (Wachstumsmanagement an der EBS) und mir selbst: „Stethoskop statt Megaphon“: Wir argumentieren darin unter anderem, dass zeitgemäße Innovationskommunikation nicht nur bedeute, Produkte und Forschungsergebnisse PR-technisch aufzubereiten und deren Markteinführung zu unterstützen, sondern auch die Meinungsbildung bei wichtigen Bezugsgruppen zu beobachten, den Fluss interner und externer Informationen zu managen und den Dialog mit den Partnern zu moderieren. Ziel müsse es sein, Entwicklungen in alten und neuen Märkten möglichst frühzeitig und mit geringem Aufwand zu verstehen.


Mit einem offenen Brief haben vier Wissenschaftsjournalistenverbände auf die Entscheidung des CNN reagiert, die gesamte Wissenschafts-, Technologie- und Umweltredaktion aufzulösen. Es sei vollkommen unverständlich und ein unglückliches Zeichen, dass ein weltweit ausstrahlender TV-Sender mit bislang renommierter wissenschaftlicher Berichterstattung gut ausgebildeten Wissenschaftsjournalisten kündigt, fasst die Wissenschaftspressekonferenz zusammen (wpk).

CNN hatte Anfang Dezember überraschend mitgeteilt, seine Wissenschaftsredaktion aufzulösen. Statt dessen sei eine Integration der Themen in die Stammredaktion geplant, so der Columbia Journalism Review. Ähnliche Personalkürzungen hatte es zuvor bei NBC gegeben.


Die Konsequenzen der Finanzkrise für die Medienlandschaft werden durch die Einstellungsstopps bei den Verlagen und die jüngsten Entscheidungen im Hause G+J deutlich. Thomas Knüwer fasst die Diskussion in "Indiskretion Ehrensache" zusammen und stößt damit eine heftige Debatte an, die sich letztlich um die Frage dreht, welche Zukunft der Qualitätsjournalismus hat, wenn niemand hierfür tragfähige Online-Geschäftsmodelle findet. Oder fehlt bloß der Mut zur Erneuerung redaktioneller Formate? Mehr in seinem Blog...


Auf geschlungenen Pfaden wand sich in den vergangenen Tagen die Unternehmenskommunikation der Messe München. Nur einen Tag vor der Bekanntgabe, dass die aktuell noch bis Freitag laufende, aber seit Jahren schrumpfende IT-Messe "Systems" nach inzwischen 40 Jahren in ihrer bisherigen Form eingestellt werde (s. z.B. Eilmeldung bei it-business.de, hatte das Ganze noch völlig anders geklungen: Noch am Dienstagmorgen (11:18 Uhr) hatte silicon.de optimistisch die "Rückkehr der Großen [Aussteller]" verkündet, während die Messegesellschaft nach wie vor meinte, die Systems sei die "führende B2B-Messe der ITK-Branche in Deutschland". Den erneuten Besucher- und Ausstellerrückgang versuchte Geschäftsführer Klaus Dittrich als "Erfolg" auszulegen: Immerhin sei es gelungen, mehr Kundenveranstaltungen und Kongresse anzubieten. Dieser Trend weg vom Vermieten reiner Ausstellungsfläche hin zu möglichst vielen Fachveranstaltungen ist besonders stark auch auf der CeBIT zu spüren; im Grunde genommen verfolgen diesbezüglich aber alle Messegesellschaften in Deutschland das gleich Ziel.
Auch im Interview mit den Computer Reseller News am Dienstag kein Wort von einer möglichen Beendigung der Messe. Die Überschrift des Interviews wirkt zwei Tage später wie vom anderen Stern: "Messe-Chef Dittrich ist optimistisch".

Das neue Kongressformat aus München wird jedenfalls in der Branche mit Spannung und von den Mitbewerbern (vor allem auch aus dem Weiterbildungsbereich) mit Sorge erwartet. Die bisherigen Ankündigungen sind viel versprechend: Konsequent B2B, Stärkung der Prozess-Themen, betont interaktive Formate und die geplante Verschmelzung mit der parallel zur Systems stattfindenden "Communication World". Außerdem ist geplant, eine "Blogger-Lounge" einzurichten...wir sind gespannt!


Mit provokanten Thesen wie „Wissenschaftsjournalismus kann es im Fernsehen nicht geben“ hat Christoph Steinkamp, Ressortleiter Wissen in der Chefredaktion von Pro Sieben bei einem (schon einige Zeit zurückliegenden) Besuch an der Hochschule Darmstadt für Aufregung gesorgt. Klaus Meier hatte darüber in seinem Blog berichtet – habe ich gerade erst entdeckt, halte ich aber für wichtig genug, auch hier nochmal erwähnt zu werden.


Mehr Begeisterung für wissenschaftliche Themen und Studiengänge zu wecken, mehr Interesse an Technik-Berufen zu erzeugen – das fordert die Politik angesichts zunehmenden Fachkräftemangels oft und einmütig. An entsprechenden Initiativen mangelt es deshalb bei weitem nicht in Deutschland: Wissenschaftsjahr, Wissenschaft im Dialog, Wissenschaftssommer, VDI-Initiative „Sachen machen“, Partner für Innovation, MS Wissenschaft, Wissensfabrik, Lange Nächte, Stadt der Wissenschaft, Ideen-Park, Ideen-Expo, Tech2You, Science Center u.v.m. – eine ebenso beeindruckende wie bedenkliche Vielfalt, die auch schon mal zum Wettbewerb werden kann. Ist also zu befürchten, dass Synergien verloren gehen, sich vielleicht sogar Aktivitäten gegenseitig Konkurrenz machen? Um hierauf Antworten zu finden, vernetzen sich seit gestern in Bremerhaven alle relevanten Organisationen und Initiativen auf einem Kongress.
Ein erstes Ergebnis für eine bessere Verknüpfung / Konsolidierung von Initiativen: Der „Wissenschaftssommer“ (ausgerichtet von WiD) wird 2009 in Saarbrücken stattfinden (20.-26. Juni), 2010 in Magdeburg und soll ab 2011 erstmals mit der „Stadt der Wissenschaft“ verschmelzen. Wie der Stifterverband außerdem ankündigte, werde das bislang aufwändige Bewerbungsverfahren für die Städte mittelfristig angepasst.
Selbstkritisch bilanzierte Monika Bürvenich vom Bundesforschungsministerium die „Wissenschaftsjahre“ der vergangenen 9 Jahre: Trotz aller Erfolge seien die Jahre nach wie vor auf die Community oder zumindest auf die schon interessierte Öffentlichkeit begrenzt. Vor allem so genannte bildungsferne Schichten müssten verstärkt erreicht werden. Anmerkung von einem Zuhörer: Vielleicht könnten Science Center und Technikmuseen diese Lücke noch stärker schließen. Frau Bürvenich kündigte außerdem an, dass die Wissenschaftsjahre mittelfristig weg von den Einzeldisziplinen (Physik, Mathematik etc.) und stattdessen mehr zu Themen wachsen werden.
Deutlich expandieren wird die „Ideen-Expo“ 2009 in Hannover mit einer größeren Messehalle, mehr Industrie-Ausstellern und einer prominenteren Integration des Themas „Berufsausbildung“ in die Veranstaltung. Termin: 05.-13.09. in Hannover.
Zwischenfazit des Forums Wissenschaftskommunikation 2008: Ein überfälliger Schritt der Vernetzung unterschiedlichster „Player“. Ein Anfang!


Kommunikation ist zweifellos der Schlüsselfaktor bei der Vermarktung neuer Technologien. Doch während sich die Innovationsprozesse schon seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts nahezu überall auch Partnern und Kunden gegenüber geöffnet haben, hinkt die Kommunikation offenbar dieser Entwicklung um Jahre hinterher, wie eine Vielzahl von Studien übereinstimmend zeigt. Kommunikationsstrategie und Innovationsmanagement haben demnach oft geradezu gegensätzliche Vorstellungen, und nur in jedem zehnten Unternehmen sind die jeweiligen Prozesse systematisch miteinander verzahnt. Außerdem nutzt nur ein kleiner Teil der Unternehmen das ihnen eigentlich frei zur Verfügung stehende Potenzial für Entwicklungssprünge durch die Einbindung professioneller, externer Forschungsdienstleister. Sicher ist es kein Zufall, dass im deutschsprachigen Raum ausgerechnet die Marktführer eine vergleichsweise offene Innovationskommunikation in ihren Unternehmen leben. Best-Practice-Beispiele gibt es genügend, nicht zuletzt aus dem Mittelstand.
null
Auch die Werkzeugkisten der PR-Berater sind bis zum Rand mit neuen Instrumenten für eine dialogorientiere Innovationskommunikation gefüllt, von Storytelling, Wikis und Corporate-Foresight im Unternehmen über Kunden-Communities, Lead-User-Analysen und Social Media Audits bis zu Conjoint-Analysen oder Corporate Blogs. Welche Instrumente wann zum Einsatz kommen, ist meist nur gemeinsam mit kompetenten Partnern richtig zu entscheiden. In jedem Fall steht die Kommunikation als wichtigster Katalysator für Innovationen vor grundlegenden Veränderungen.

Zwei Fachbeiträge hierzu sind gerade erschienen, auf die ich euch gerne kurz hinweisen möchte:

Wissenschaftsmanagement 04/2008, Seiten 20-29:
„Antennen müssen auf Empfang stehen: Eine offene Kommunikation ist entscheidend für den Erfolg von Open Innovation“
[Abstract s.u. -- Ausgabe als kostenloses Probeexemplar]

InnoVisions 03/2008, Seiten 76-86:
„Next Practice: Magazinspecial Innovationskommunikation“
Einen Großteil dieses Beitrag findet ihr online.

Weitere neu erschienene Fachartikel (als Paid Content)::
Open Innovation, Closed Communication – Eine Bestandsaufnahme: Wie offen agiert die Innovationskommunikation in Deutschland?

Idee sucht Innovator– Zu den Themen Crowdsourcing und User Innovation

Viele Schlüssel, ein Erfolg– Darüber, wie abseits traditioneller Wirtschaftsprozesse „Innovation Communities“ zum Erfolgsfaktor geworden sind

Von Lead Usern und Entrepreneuren – Wie Mittelständler die richtigen „Spürnasen“ aufspüren und daraus Wettbewerbsvorteile generieren

Und schließlich noch meine aktuelle Kolumne, Communiqué:
(Volltext s.u. oder ebenfalls online)


Wichtiger Terminhinweis: Die unter anderem mit den "Wissenschaftsjahren" betraute Organisation "Wissenschaft im Dialog" lädt für den 23. bis 25. September 2008 zu einem "Forum Wissenschaftskommunikation" in Bremerhaven ein. Vertreter von Science Centern, Schülerlaboren und Wissenschaftseinrichtungen sowie Organisatoren von Wissenschaftsfestivals sollen Gelegenheit haben, aktuelle Strategien und Trends der Wissenschaftskommunikation auszuloten. Im Mittelpunkt des Symposiums stehen Erfahrungsberichte und Workshops zur Kommunikation von Wissenschaften auf Wissenschaftsfestivals, in Museen oder mittels Wissenschaftsshows. Wissenschaft im Dialog will mit dem Forum eine Plattform zum Informationsaustausch zwischen den an der Wissenschaftskommunikation beteiligten Einrichtungen und unterschiedlichen Zielgruppen bieten.

23.09. -- Vorporgramm und Abendempfang
24.09. -- vormittags Thema "Wissenschaftsjahre" und Projektbeispiele, nachmittags Parallelworkshops (u.a. auch zu Wissenschaftsblogs und Web 2.0)
25.09. -- Bildungsaspekte

Infos unter http://www.wissenschaft-im-dialog.de/wissenschaftskommunikation/aktuelles.html