Google

Als Reuters vor ziemlich genau einen Jahr ClearForest (macht in Texterkennungssoftware) gekauft hat, war das keine weltbewegende Neuigkeit. Offenbar sollte damit Knowhow eingekauft werden, um den Riesenberg von Reuters-
und Factiva-Inhalten (Edit: Factiva gehört ja schon lange gar nicht mehr zu Reuters) systematisch zu erschließen und nutzbar zu machen. Macht ja auch absolut Sinn, und früher oder später beschäftigt sich jedes Medienunternehmen mit dieser Aufgabe.
Als dann wenig später der Webservice
OpenCalais angekündigt und schließlich zur kostenfreien Nutzung für jedermann freigegeben wurde, bekam die Sache einen etwas anderen Drall. Wie ein Riesenstaubsauger zieht Reuters seither die Inhalte unzähliger Quellen, darunter klassische Medien genauso wie Blogs, in seine Datencenter - und gibt diese nicht nur sauber strukturiert an die Einsender zurück, sondern legt sie vermutlich auch entsprechend in einem eigenen Index ab.
Was man damit alles machen kann ....

Frank Thomsen, Chefredakteur Stern.de, über die Wahrnehmung von Google im Vergleich zu früheren Quasi-Monopolisten: "Wenn vor einigen Jahren Leo Kirch die Deutsche Nationalbibliothek ins Netz gestellt hätte, wäre der nationale Notstand ausgerufen worden. Wenn Google das heute macht, dann ist das cool."

Kuno Haberbusch, Leiter des Medienmagazins "ZAPP", NDR, über die Informationspolitik von Google: "Es ist nicht hinnehmbar, wie wenig Transparenz bei Google herrscht. Ich frage mich, warum die deutschen Medien das nicht genauer untersuchen. Das Schweigen der Medien zu Google halte ich für skandalös."

Holger Stark, DER SPIEGEL, über die Marktmacht von Google: "Wir haben momentan ganz neue Akteure in der Branche, die die letzten Jahrzehnte überhaupt nicht existent waren. Und das sind auch noch verlagsfremde Firmen. Google vereint etwa 70 Prozent des Anzeigenvolumens im Netz auf sich. Wenn ein so großer Teil des Kuchens auf Firmen wie Google entfällt, fehlt dieses Geld natürlich bei den Investitionen in die journalistische Qualität."

Tim Dyson von
siliconvalleypr berichtet von einem "word in the street", nach dem Google
70 neue PR-Leute sucht.
Why is Google doing this now? Is it because they believe they are starting to see sentiment move against them much as it did with Microsoft when they became wildly successful? If so, then being a PR person at Google may be a less enjoyable task than in the last few years where editors have eaten up every news story, no matter how trivial. The second question is what has happened to Google’s stock? Last year the stock soared and then… soared. This year it spent most of January around $500 and has since drifted off to around $475. Could it be the new army of PR people is being brought on board to try and get the stock price moving again by airing more positive stories about the business?
Mich würde das nicht überraschen, wohl aber beindruckt mich diese Zahl
70, noch dazu sollen all diese Jobs für das HQ in Mountain View vorgesehen sein, also keine Aufstockung der PR-Teams in aller Welt. Wenn das man am Ende keine
social brute force attack in Richtung Blogosphäre wird ...
Samuel "Sam" Zell hat sich mit geschickten Immobiliengeschäften ein Milliarden-Vermögen verdient. Vor einigen Wochen kaufte er die Tribune Corporation, die die "Los Angeles Times" herausgibt. Damit wurde Zell auch Eigner des Baseballteams Chicago Cubs.
Nun meldete sich Zell nun in einer- zumindest in den USA - viel beachteten Rede in der Stanford Law School in Palo Alto zu Wort, in der er dem Suchmaschinengigant Google den Kampf ansagte. "Wenn alle Zeitungen in Amerika Google nicht länger erlauben würden, ihre Inhalte zu stehlen, wie profitabel wäre Google dann", fragte der 66-Jährige das Publikum.

Marc Ziegler und das Team von TimeLabs haben mit der Studie
„GridMedia – (Überlebes-) Strategien für Publisher im digitalen Zeitalter“ ein brisantes Statement zur Zukunft der Printmedien vorgelegt. Was immer man von der ein oder anderen polemischen Überspitzung oder einigen überflüssigen sachlichen Nachlässigkeiten halten mag: Selten sind die Konsequenzen des Web 2.0 für Tageszeitungen, Zeitschriften und Fachzeitschriften umfassender und schonungsloser analysiert worden.

Egal, wo sich Zeitungs- oder Zeitschriftenmacher in diesen Tagen treffen, um über die Zukunft des Geschäfts zu sprechen: Die „evil empires“ Google und Yahoo sind Thema. Die zentrale Frage lautet: Kooperation oder Konfrontation?
In der letzten Woche hatten der BDZV und die Publishing-Organisation ifra zu einem Local-Search-Kongreß nach Köln eingeladen. Die lokale Suche, da sind sich auch die regionalen Tageszeitungen einig, wird in Zukunft der wesentliche Zugang zu lokalen Nachrichten, Kleinanzeigen und Services sein. Noch ist das der Kernmarkt der Verlage. Google aber packt auf seinen Suchstandard immer neue lokale Angebote und Features.

Tja, da sind Sie wieder die
Fallstricke des „user generated content“. Gerade in Deutschland ist der Umgang mit den diversen Urheberrechten, die sich in den verschieden Medien finden, hochkomplex. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen „Obacht“, da droht die juristische Keule wegen Bildrechten, Musikrechten, Textrechten und vielen anderen Dingen, die der User naturgemäß nicht wissen kann, wenn er seine Geburtstagsgrüße an Omi mit „Happy Birthday“ von Stevie Wonder unterlegt. Diese zu YouTube hochgeladen und schon kommt die
GEMA.
Ich bin sehr gespannt, ob Google das in den Griff bekommt.