Deutschland Online 4


...der Blogforschung in Deutschland bringt in diesen Tagen Christoph Neuberger von der Universität Münster. Gemeinsam mit Christian Nuernbergk und Melanie Rischke hat er sich durch die aktuellen Studien zum Thema durchgearbeitet wie etwa die Blog-Studie von Ansgar Zerfaß oder "Deutschland Online 4", die ja beide hier im Blog schon diskutiert wurden. Die verdichteten Ergebnisse hat er jetzt vorgestellt - ergänzt um eine eigene Befragung von Redaktionsleitern deutscher Nachrichtenredaktionen.


Eines der spannendsten Ergebnisse der Blogstudie der Universität Leipzig, die Ansgar Zerfaß diese Woche vorgestellt hat, sind die Assoziationen der befragten "Trendsetter und Heavy User". Da reicht die Spanne von "digitalem Tagebuch" über "Mittel der Selbstdarstellung" und "nutzlose Erscheinung" bis hin zu "Mittel des Zeitvertreibs".

Bei über einer Million aktiver Blog-Nutzer in Deutschland ist das eine spannende Bandbreite. Und da auch in der oben genannte Blogstudie die Bewertung als "digitales Tagebuch" am häufigsten genannt wurde, hier eine Metapher, die sich zum Thema vor einigen Tagen im Gespräch ergab:

"Blogs sind die digitalen Spiegelkabinette des 21. Jahrhunderts - als Bühne und als oft schick hergerichteter Präsentierplatz des Individuums."





...nutzen inzwischen hierzulande Blogs in hohem oder sehr hohem Maße - so ein Ergebnis der "Sonderauswertung Social Web" der Studienreihe Deutschland Online, die heute im Rahmen der Digitalkonferenz DLD von Hubert Burda Media vorgestellt wurde. Zehn Prozent der Bevölkerung sind nach Ergebnissen der aktuellen ARD/ZDF-Online-Studie "sehr interessiert an der Möglichkeit, aktiv Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen". Da scheint auch die Prognose glaubwürdig, wonach sich die Nutzung von Blogs bis zum Jahr 2010 annähernd vervierfachen wird.



Damit nähern sich Blogs & Co in den kommenden Jahren dem Mainstream, sie werden aber nicht zu den führenden Anwendungen des "Social Web" aufschließen, wie ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, die von der Telekom mit initiiert wurde: In Deutschland dominiert bei den Anwendungen, die allgemein unter "Web 2.0" zusammengefasst werden, derzeit der Gebrauch von Online-Nachschlagewerken wie Wikipedia: 52 Prozent der befragten User nutzen diese in hohem oder sehr hohem Maße. Mit einer Nutzungsrate von 30 Prozent sind Bewertungsportale ebenfalls populär.

Europaweit ist das "Social Web" derzeit vor allem über die sogenannten user-generated contents präsent. 53 Prozent der internationalen Experten sehen diese Anwendungen in Europa als etabliert an. Communities (33 Prozent), Mash-Ups aus verschiedenen Anwendungen (30 Prozent) und lokalisierte Services (30 Prozent) sind europaweit weniger etabliert. Im weltweiten Vergleich liegen in allen vier Kategorien die USA vorne, gefolgt von Asien und Europa.


Mit dem Kauf von StudiVZ macht die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck einen Sprung ins Richtung Web 2.0. Die hauseigene Holtzbrink Ventures war schon seit August 2006 einer der Gesellschafter. Mit dem Kauf stärkt die Verlagsgruppe ihre Online-Kompetenz - und treibt das voran, was die F.A.Z. heute "die neue Internetwelle" nennt.

Derzeit scheinen sich die großen Verlagshäuser aber noch schwer damit zu tun, eigene Web 2.0-Strategien inhaus zu entwickeln. Das zeigt ein Ergebnis der Studie "Deutschland Online 4" von Professor Bernd Wirtz, die die T-Com mit iniitiert hat: Für die Untersuchung wurden Social Web-Experten befragt, wie gut die klassischen Medienunternehmen inzwischen auf den konvergenzbasierten Wettbewerb vorbereitet sind.



Studienautor Prof. Bernd Wirtz fasst zusammen: "...es scheint, dass die Medienunternehmen die Herausforderungen der Branchenkonvergenz noch nicht wirklich angenommen haben. Die größten Herausforderungen liegen nach Ansicht der Social Web-Experten in vier Bereichen: Die erste Herausforderung stellt der Transfer von Inhalten ins Internet dar. Zweitens müssen insbesondere klassische Erlösmodelle des Verlagswesens überprüft und angepasst werden, um etwa der Abwanderung von Werbung ins Internet zu begegnen. Drittens müssen Offline-Inhalte in zunehmendem Maße in den Online-Bereich integriert beziehungsweise mit multimedialen Komponenten angereichert werden, um ihre Reichweite zu erhalten. (...) Aber auch die Integration von User-generated Content - etwa Blogs - stellt eine zentrale Herausforderung für die Medienunternehmen dar."

Mehr zu den aktuellen Trends und Planungen in den Verlagen rund um den digitalen Lebenswandel werden wir vermutlich in zwei Wochen erfahren - beim "DLD 2007" von Hubert Burda Media, wo wieder rund 500 Experten in die digitale Zukunft blicken werden.


Wie Stephan Fink schon erwähnte, hat nur ein überschaubarer Kreis der Besucher der Veranstaltung im Museum für Post und Telekommunikation in Frankfurt schon einmal selber gebloggt.

Auch wenn die Blogosphäre stetig weiter wächst, so sind Blogs wohl doch nicht die "killer application", also die Anwendung, die nach Ansicht von Experten künftig der Treiber von Web 2.0-Anwendungen sein wird. Die jüngst vorgestellte Studie "Deutschland Online 4" von Professor Bernd Wirtz, mitinitiert von T-Com und Hubert Burda Media kommt da zu einem anderen Ergebnis...