Öffentlichkeitsarbeit


Auf geschlungenen Pfaden wand sich in den vergangenen Tagen die Unternehmenskommunikation der Messe München. Nur einen Tag vor der Bekanntgabe, dass die aktuell noch bis Freitag laufende, aber seit Jahren schrumpfende IT-Messe "Systems" nach inzwischen 40 Jahren in ihrer bisherigen Form eingestellt werde (s. z.B. Eilmeldung bei it-business.de, hatte das Ganze noch völlig anders geklungen: Noch am Dienstagmorgen (11:18 Uhr) hatte silicon.de optimistisch die "Rückkehr der Großen [Aussteller]" verkündet, während die Messegesellschaft nach wie vor meinte, die Systems sei die "führende B2B-Messe der ITK-Branche in Deutschland". Den erneuten Besucher- und Ausstellerrückgang versuchte Geschäftsführer Klaus Dittrich als "Erfolg" auszulegen: Immerhin sei es gelungen, mehr Kundenveranstaltungen und Kongresse anzubieten. Dieser Trend weg vom Vermieten reiner Ausstellungsfläche hin zu möglichst vielen Fachveranstaltungen ist besonders stark auch auf der CeBIT zu spüren; im Grunde genommen verfolgen diesbezüglich aber alle Messegesellschaften in Deutschland das gleich Ziel.
Auch im Interview mit den Computer Reseller News am Dienstag kein Wort von einer möglichen Beendigung der Messe. Die Überschrift des Interviews wirkt zwei Tage später wie vom anderen Stern: "Messe-Chef Dittrich ist optimistisch".

Das neue Kongressformat aus München wird jedenfalls in der Branche mit Spannung und von den Mitbewerbern (vor allem auch aus dem Weiterbildungsbereich) mit Sorge erwartet. Die bisherigen Ankündigungen sind viel versprechend: Konsequent B2B, Stärkung der Prozess-Themen, betont interaktive Formate und die geplante Verschmelzung mit der parallel zur Systems stattfindenden "Communication World". Außerdem ist geplant, eine "Blogger-Lounge" einzurichten...wir sind gespannt!


Mit dem US-Ölkonzern Exxon Mobil hat wieder einmal ein Gigant seine Erfahrungen mit den Tücken des Internets gemacht. Via Twitter verteidigte die vermeintliche Exxon-Vertreterin "Janet" den Öl-Multi gegen Kritik in der Online-Gemeinde. Nun flog das falsche Gezwitscher vor einigen Tagen auf - durch eine Recherche des Houston Chronicle. Nett und schnell nachzulesen ist die ganze Geschichte im Silicon Alley Insider.

Was lernen wir daraus? Für die Unternehmenskommunikation haben die Herausforderungen durch das Web gerade erst begonnen. Und für Journalisten ist die gründliche Recherche auch oder gerade in der schönen neuen Online-Welt ein nach wie vor gutes Handwerkszeug - angefangen bei der banalen Frage: Wer spricht da eigentlich?


titelt das Manager Magazin diesen Monat. Beim Lesen rieb ich mir ungläubig die Augen. - Da beklagen die Autoren in ihrem 10-seitigen Beitrag:

„Ob ein Unternehmen börsennotiert ist oder Private Equity-Investoren gehört – immer weiter müssen Kosten gesenkt werden, immer weiter muss der Unternehmenswert steigen. Das Management kassiert Boni und zieht weiter – Dax-Vorstände werden schon nach durchschnittlich 4,7 Jahren abgelöst. […] so fragen sich inzwischen viele Profis, ob diese Art zu wirtschaften nicht an die Substanz geht – ob nicht die immer neuen Abmagerungskuren längst in Anorexie ausarten.“

Ja, es ist tatsächlich das Manager Magazin, was da vor mir liegt und nicht etwa die taz, der Vorwärts oder die Metallzeitung. Glauben Sie es oder nicht: In dem Beitrag wird der Vorschlag vorgestellt, Vorstände sollten verpflichtet werden, Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen „bis es ihnen weh tut“.


Es war harte Arbeit, doch es hat uns allen viel Spaß gemacht. Ebenso leidenschaftlich wie gewissenhaft hat die Jury die Finalisten der PR Report Awards 2008 ermittelt. Heute haben wir die Shortlist für den Branchenpreis veröffentlicht – in diesem Jahr mit einer ausführlichen inhaltlichen Kommentierung.



Welche kommunikativen Kräfte in sozialen Netzwerken entstehen können, das durfte in den letzten Tagen das geschätzte Management von XING erleben. Offensichtlich allein aufgrund des Drucks der eigenen Community machte man an diesem Wochenende einen Rückzieher in Sachen Werbung und stellt seit gestern die Profilseiten von Premium-Mitgliedern generell werbefrei. Aus PR-Sicht ist daran interessant, wie sehr der Rückzug in den einschlägigen Blogs diskutiert wird. Offensichtlich hat XING selbst dazu beigetragen und zahlreiche Blogger aktiv angeschrieben, um sie über den eigenen Rückzug zu informieren. Ich frage mich, ob man damit nicht unnötig Staub aufgewirbelt hat. Denn letztlich ist der Schritt nach facebook und studiVZ ja nicht wirklich überraschend (vgl. zweinull.cc ). Wie dem auch sei, die Entscheidung von Lars Hinrichs ist konsequent und transparent. Sie verdient den Respekt der gesamten Branche, denn damit stellt das XING-Team einmal mehr seine eigene Lernfähigkeit unter Beweis. Eine Fähigkeit, die Peter Turi zu Recht als das Wichtigste im Web 2.0 herausstellt.


Am Wochenende hat der Bombardier-Kommunikations-Direktor und Autor Frank Martin Hein in seinem grozügigen Loft in der Berliner Torstr. die Salon-Tradition im besten Sinne wieder belebt. Und nicht nur das. Sein Verdienst ist, ein Buch herausgegeben zu haben, dass auf die aktuellen Diskussionen in unserer Profession erheblichen Einfluss haben dürfte. In dem Harry-Potter-dicken Band mit 609 Seiten beschreiben Kommunikatoren aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungshintergründen den Einfluss der elektronischen Unternehmenskommunikation auf die Kultur eines Unternehmens.



Hallo Herr Vesper,

Sie haben Recht, derzeit kann man sich dem Thema CSR nicht entziehen. Allerorts forcieren Unternehmen ihr gesellschaftliches Engagement und wollen es als Werttreiber nutzen. „Gutes“ zu tun wird zur Pflicht. Trotz aller Bemühungen tun sich Unternehmen bisweilen schwer, soziale Kompetenz glaubwürdig zu vermitteln. Die Schwierigkeit liegt darin, einen ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verfolgen, z.B. Fair Trade als integraler Bestandteil jeder CSR-Strategie. Transparenz und Authentizität stehen an erster Stelle. Der Nachhaltigkeitsgedanke muss im Unternehmen nach innen und außen gelebt werden und in eine langfristige Strategie eingebunden werden. Über den „Boom des guten Gewissens“ werden wir am Montag, den 3.12.07 im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit folgenden Experten diskutieren: Prof. Thomas Mickeleit, Pressechef von Microsoft, Birgit Riess, Leiterin des CSR-Projektes der Bertelsmann Stiftung, Andreas Breitsprecher, Leitung Kommunikation Boehringer Ingelheim Pharma, Annette Reisinger, Autorin und Unternehmerin sowie Max Müller, Geschäftsführer der Gesellschaft für Kommunikation in Politik und Wirtschaft. Die F&H Kamingespräche finden um 19.30 Uhr in der Seidlvilla in München statt (Nikolaiplatz 1B). Letzte Anmeldungen werden unter info@f-und-h.de erbeten.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die LOHAS-Studie von F&H Porter Novelli aufmerksam machen, die wir in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Natural Marketing Institut im Sommer 2007 durchgeführt haben. LOHAS ist ein Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“ und bedeutet eine auf Gesundheit und Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebensführung. In den USA gibt es bislang 40 Millionen LOHAS-Anhänger und in Europa sind es bereits über 49 Millionen. Globales Umweltbewusstsein setzt sich auf dem Markt immer mehr durch. Nachhaltigkeit wird in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wachstumsfaktor für Markenwerte und die Kommunikation mit den Stakeholdern. Die Folge daraus ist, dass das ethische Verbraucherverhalten zunimmt, d.h. Konsumenten legen verstärkt Wert auf Marken und Produkte, die für Authentizität, Transparenz und Qualität stehen und mit ihren Kernüberzeugungen übereinstimmen. Verdichtet man die Trends des Wertewandels auf ihren Grundkern, dann ist es die Nachhaltigkeit, die im Fokus steht. Unternehmen sollten ihre Unternehmensstrategie auf diese neue Zielgruppe frühzeitig ausrichten. Den passiven Konsumenten gibt es nicht mehr.



Das Gericht in Chemnitz hat heute entschieden, dass die Lokführergewerkschaft auch den Güter- und Fernverkehr bestreiken darf. Meine persönliche Geschichte des Tages hat auch mit Lokführern zu tun. Sie handelt allerdings nicht von kommunikativer Strategie und kalkuliertem Image. Sondern von kollektiver Romantik und von persönlicher Identifikation. Es ist eine Mikro-Geschichte, die das Makro-Thema Bahn (Privatisierung, Teilprivatisierung, Streik... etc.) nicht erklären kann. Aber illustrieren und vielleicht ergänzen. Die Geschichte trug sich heute früh um kurz vor acht zu, auf einem Bahnhof. Es war Günthers letzte Fahrt.


Im Anschluss an den Kommunikationskongress hatte eine Gruppe des LPRS die Gelegenheit, Richard Edelman in Berlin zu treffen (Dank an dieser Stelle noch an Cornelia Kunze und Gitta Wöhler!).

Thema des einstündigen Gesprächs mit dem CEO der weltweit größten, unabhängigen PR-Firma war vor allem der Rollenwechsel der PR: „from a business of impressions to a business of reality“. Dass zu der vertikalen, unmittelbar steuerbaren Achse der Kommunikation spätestens mit Web 2.0 eine horizontale Achse hinzu gekommen ist, die eine höhere Transparenz herstellt und Organisationen endgültig zur Einbindung des Kommunikationsmanagements in die Unternehmensstrategie zwingt, war zwar für die Leipziger PR-Studenten nicht wirklich neu. - Die sich daraus ergebenden Überlegungen aber einmal mit einem Amerikaner zu diskutieren, war dafür aber umso spannender. Ganz Agentur-Chef hatte der auch einen griffigen Slogan für „sein“ PR-Verständnis parat: „Be It, Don´t Buy It.“.

Vorgestern dann war Anton Hunger von Porsche bei uns als Referent zu Gast: „Kommunikation braucht Werte“ war der Titel seines Vortrags. Wie umfangreich sich Porsche gesellschaftlich engagiert, ist sicher den meisten bekannt. Wie sehr das Management die Unternehmenswerte auch lebt, hat mich jedoch sehr beeindruckt. Und der Erfolg gibt den Zuffenhausenern recht: Jedenfalls ist es doch bemerkenswert, wie verhältnismäßig wenig der Cayenne-Produzent in der Klima-Debatte angegriffen wird. Und als der Stern letzte Woche „Die maßlosen Manager“ titelte und deren Köpfe mit ihrem Jahresgehalt schmückte, da war Deutschlands bestbezahlter Manager nicht dabei…


So, jetzt sind wir also alle wieder zurück aus Berlin. Wieder an unseren Schreibtischen – zurück vom 4. Kommunikationsalmauftrieb in Berlin. Und die Kollegen fragen selbstverständlich: Wie war´s? Was in diesem Jahr eine ganz schwierige Frage ist, denn schnell ist man verleitet, die Highlights bzw. Lowlights der Speakersnight über zu betonen. Oder von gelungenen, pointierten und amüsanten Reden zu berichten, die leider vor einem total falschen Publikum gehalten wurden (Ob Peer Steinbrück zumindest nach der Veranstaltung erfahren hat, dass er vor Pressesprechern und eben nicht vor Journalisten gesprochen hat? Man sollte ihm aber den Tag auch nicht verderben, denn die Rede selbst war ja gut).