06.08.2008: PR - Lizenz zu Täuschen ... wo ist der Widerstand?
Von: Petra Sammer
Unglücklicherweise habe ich mir die Mühe gemacht und das Manuskript zur Rede von Klaus Merten in Münster wirklich durchgelesen. Und da ich einige Zeit im Ausland war, ist mir der Sturm der Enttrüstung wohl entgangen. Jedenfalls fand ich auf der Suche nach Protest eine Pressemitteilung von Richard Gaul, also des DRPR, in dem Merten aufgefordert wird, darzustellen, wie die Branchen-Codices in der PR-Ausbildung, die er anbietet, gelehrt werden.
That´s it. Kein Wort von unseren Branchenverbänden. Kein Wort von herausragenden Pressesprechern oder Leitern Corporate Communications. Kein Wort von Agenturen.
Wollen wir uns den Nachwuchs wirklich durch solche seltsamen Vorträge verwirren lassen? Und sehen wir unser Berufs-Ethos genau so? Vielleicht deshalb das Schweigen. Ich bin da anderere Meinung. Ganz egal, ob Prof. Merten das Wort "Täuschung" positiv aufladen will oder nicht. Ganz egal wie "wissenschaftlich" er das zu argumentieren versucht. Ganz klar und vollkommen unwissenschaftlich ausgedrückt: ich sehe Täuschung nicht als Teil unseres Berufes und ich hoffe, es gibt Kollegen und Kolleginnen, die diese Meinung teilen.
Etwas mehr Klarheit würde ich mir hier auch von unseren Verbänden wünschen. Meine Recherche zu einer eindeutigen Position der DPRG verlief erfolglos, aber vielleicht habe ich auch nicht ausführlich gesucht. Nachfragen ist wohl besser als nachgucken. (Nachtrag in eigener Mission: ich bin nach 15 Jahren Berufserfahrung festen Willens, mich in meinen Berufsverband zu verlieben, auch wenn´s schwer fällt. Mehr dazu hier. Unter dem Suchbegriff DPRG)
That´s it. Kein Wort von unseren Branchenverbänden. Kein Wort von herausragenden Pressesprechern oder Leitern Corporate Communications. Kein Wort von Agenturen.
Wollen wir uns den Nachwuchs wirklich durch solche seltsamen Vorträge verwirren lassen? Und sehen wir unser Berufs-Ethos genau so? Vielleicht deshalb das Schweigen. Ich bin da anderere Meinung. Ganz egal, ob Prof. Merten das Wort "Täuschung" positiv aufladen will oder nicht. Ganz egal wie "wissenschaftlich" er das zu argumentieren versucht. Ganz klar und vollkommen unwissenschaftlich ausgedrückt: ich sehe Täuschung nicht als Teil unseres Berufes und ich hoffe, es gibt Kollegen und Kolleginnen, die diese Meinung teilen.
Etwas mehr Klarheit würde ich mir hier auch von unseren Verbänden wünschen. Meine Recherche zu einer eindeutigen Position der DPRG verlief erfolglos, aber vielleicht habe ich auch nicht ausführlich gesucht. Nachfragen ist wohl besser als nachgucken. (Nachtrag in eigener Mission: ich bin nach 15 Jahren Berufserfahrung festen Willens, mich in meinen Berufsverband zu verlieben, auch wenn´s schwer fällt. Mehr dazu hier. Unter dem Suchbegriff DPRG)
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ich finde die Aufregung übertrieben und nicht zielführend. Immerhin ist der Begriff "Täuschungsspielraum" in der Tat eine gängige Kategorie der Kommunikationstheorie und beschreibt die einfache Tatsache, dass Medienkonsumenten die Wahrheit von Medienberichten im Zeitpunkt der Kaufentscheidung nicht überprüfen können und diesen damit einen Spielraum der Täuschung zugestehen, den die Medien wiederum erfolgreich kapitalisieren. Das hat nichts mit wirklicher Täuschung zu tun, wohl aber mit der Differenz von Fakt und Fiktion, die Merten ja für sich reklamiert als wissenschaftliche Theorie formuliert zu haben (worüber man geteilter Meinung sein kann).
Ich denke, wir sollten uns daran gewöhnen, einen offenen und streitbaren Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zuzulassen, ohne diesen mit - falschen - moralischen Verdikten zu beschweren.
Ich hätte mir übrigens mehr Aufregung gewünscht zum Fall Bankhofer und WDR, da hier - eindeutig! - ein eminenter Verstoss gegen journalistische Prinzipien und eine Aushöhlung von PR Regeln vorliegt.
Allerdings ist dieser Mann offenbar immer noch Dozent für "Produkt PR" an einem renommierten Leipziger Institut.
O tempora, o mores!