Kai Hattendorf

Leiter Unternehmenskommunikation & -marketing, Messe Frankfurt

Journalismus lernt man bei der Tageszeitung - das war bei mir die Bremerhavener "Nordsee-Zeitung". Es folgten Stationen bei WDR, BBC und Euronews, eine Zeit in den USA zum ...
Das war das Thema des jüngsten "Werteforums" der Wertekommission jetzt in Düsseldorf mit rund 100 Kommunikatoren. Zur Frage diskutierten die PR-Expertin Elke Neujahr, geschäftsführende Gesellschafterin Comm:Up, Werber Bernd M. Michael, ehem. CEO, Grey Worldwide, Bankenchef Dr. Wolf Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Aareal Bank, und Politikexperte und Unternehmensgründer Mathias Bucksteeg, geschäftsführender Gesellschafter Hidden Images.

Nach viel Klartext in der von Dr. Philipp Busch moderierten Runde verdichtete sich die Debatte auf vier klare Handlungsempfehlungen, die eine tragfähige Basis für glaubwürdige Wertekommunikation bilden:
- Haben Sie Mut – trauen Sie sich etwas
- Bleiben Sie authentisch – als Institution, aber gerade auch als Person
- Blenden Sie nie Ihren Instinkt, ihr Bauchgefühl aus
- Stellen Sie sich die richtigen Fragen, nicht die einfachen.

Drüben im Blog der Wertekommission steht eine aufsführliche Besprechung.

(Disclaimer: Ich selber bin in dem Verein aktiv.)


Die mögliche Übernahme des Wall Street Journal durch Rupert Murdoch liefert den Hinterrgund für eine exzellente Titelgeschichte der TIME diese Woche. Mittendrin - leicht versteckt - findet sich ein Gednakengang, wie die Zukunft des WSJ aussehen könnte:

"What if, at the Journal, we spent $100 million a year hiring all the best business journalists in the world? Say 200 of them. And spent some money on establishing the brand but went global--a great, great newspaper with big, iconic names, outstanding writers, reporters, experts. And then you make it free, online only. No printing plants, no paper, no trucks. How long would it take for the advertising to come? It would be successful, it would work and you'd make ... a little bit of money. Then again, the Journal and the Times make very little money now."

Also: Das "WSJ" ein reines Online-Medium? Die Diskussion um die Zukunft der gedruckten Zeitung geht damit sicherlich eine entscheidende Runde weiter.


21.06.2007: Grimme Online

Es ist ja einiges schief gelaufen im Vorfeld der Verleihung des Grimme Online Awards gestern abend in Köln - Stefan Niggemeier hat das sehr schön beschrieben. Trotzdem verdient die Liste der Preisträger einen zweiten Blick.

Mit Fudder, Stefan Nigggemeier-Blog und dem Tagesschau-Blog sind in der Kategorie Information ausschließlich Blogs prämiert worden. Der Elektrische Reporter (Preisträger in der Kategorie Wissen und Bildung) - auch ein Blog. Und ebenfalls die beiden Sieger der Kategorie Kultur und Unterhaltung: Nach 100 Jahren und Polylog.tv

Hinter den Preisträgern steht eine Mischung aus öffentlich-rechtlichen Redaktionen, exzellenten Einzeljournalisten, jungen Regionalreportern und Individuen. Der "Tanker" ARD aktuell neben dem Individium Niggemeier - ein schöner Beleg dafür, dass die Medienform des Blogs es auch "Einzelkämpfern, Schulabbrechern und Autodidakten" (Elektronischer Reporter Sixtus gestern abend über sich selber) erlaubt, ihre Talente preiswürdig breit verfügbar zu machen.


...schreibt heute "Sponto" bei Spiegel Online zur Frage, was an dem Programm eigentlich wirklich anders ist:

"Es ist die bislang konsequenteste, weil flexibelste und freiste Variante dessen, was eines Tages vielleicht das ganze Internet sein wird...Eine begehbare, endlos modifizierbare, multimediale 3-D-Welt nämlich, in der Nutzer Dinge, Funktionen und sogar soziale Systeme erschaffen, die es sonst nirgends gibt."

Das trifft es meiner Meinung nach ziemlich auf den Punkt. Second Life (SL) und ähnliche Angebote erweitern das bisherige zweidimensionale Surfen im Netz um die dritte Dimension - und machen es damit einfacher zu navigieren.

Rückblick: Damit der Heimcomputer seinen Durchbruch schaffen konnte, brauchte es eine Oberfläche, die auch "normale Menschen" nutzen konnten. Mit der "Desktop-Metapher" gelang das: Papiersymbol auf das Papierkorb-Symbol schieben - und eine Datei ist "weggeworfen" und damit gelöscht. Das versteht jeder.

Einen ähnlichen Sprung in der Benutzerfreundlichkeit bietet das dreidimensionale Browsen im Netz. Während ich beispielsweise heute durch Listen scrollen muss, um bei amazon ein Buch zu finden und zu kaufen, kann ich das in einem dreidimensionalen virtuellen Buchladen wie gewohnt aus dem Regal ziehen.

Ob es diese Buchläden bei SL geben wird oder in einem offenen 3D-Internet, etwa auf Basis von Google Earth, bleibt sicherlich abzuwarten. Fakt aber ist - hier sei noch einmal Sponto zitiert:

"Dieses Prinzip, Welt-Simulation in 3-D, geht nicht mehr weg."



...der Blogforschung in Deutschland bringt in diesen Tagen Christoph Neuberger von der Universität Münster. Gemeinsam mit Christian Nuernbergk und Melanie Rischke hat er sich durch die aktuellen Studien zum Thema durchgearbeitet wie etwa die Blog-Studie von Ansgar Zerfaß oder "Deutschland Online 4", die ja beide hier im Blog schon diskutiert wurden. Die verdichteten Ergebnisse hat er jetzt vorgestellt - ergänzt um eine eigene Befragung von Redaktionsleitern deutscher Nachrichtenredaktionen.