Hans Werner Kilz kämpft mit dem Vorwurf, seine Redaktion genauso zu führen, wie einst Leonid Breschnew in der Endphase seiner Regierungszeit. Dass das natürlich nicht stimmt, erklärte der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung heute Vormittag in seinem Vortrag "Die Sicherung des Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter" beim Kommunikationskongress in Berlin.

"Den Journalisten wird schon früh der Drang zur Aufmüpfigkeit ausgetrieben", monierte Kilz. Seine Forderung: "Zeitungen als Kulturgut zu sehen ist unverzichtbar für eine pluralistische Gesellschaft!" Und dann endlich doch noch zum angekündigten Thema: "Wir müssen nach Wegen suchen, die Inhalte im Internet kostenpflichtig zu machen." Es könne nicht sein, dass eine Mentalität, besonders bei jungen Leuten, vorherrscht, dass auch seriöse, hochwertige und verlässliche Informationen im Web umsonst zu bekommen seien. Ausdrückliches Lob bekam von ihm das kostenpflichtige Internetangebot des Wallstreet Journals. Das sei ein Mut machendes Beispiel und der richtige Weg, so Kilz.

Dass dagegen ausgerechnet die renommierte New York Times wegen mangelnder Akzeptanz seit einigen Tagen auf ihre Bezahlinhalte im Web verzichtet, verschwieg der SZ-Mann allerdings. Also doch ein wenig Breschnew?