Habe ich da irgendwas nicht so ganz verstanden? Henryk M. Broder ist gestern als "Onlinejournalist des Jahres" gekürt worden. Broder? War nicht gerade was? "Wenn alle mitreden, löst sich die Meinungsfreiheit in Kakophonie auf", schrieb Broder vor einigen Wochen im Tagesspiegel übers Internet. Es ist ja OK, wenn man auch als Onlinejournalist den "Errungenschaften" des Webs kritisch gegenüber steht. Warum mit Broder aber einer geehrt wird, der das Internet in Bausch und Bogen verdammt hat und auch noch laut beklagt, dass Pressefreiheit heute nicht mehr nur aus eben den 200 Leuten besteht, die "die Freiheit hatten, ihre Meinung zu verbreiten", das ist schon ein wenig seltsam.

Sagen wir mal so, nachdem weltweit dänische Fahnen verbrannt wurden, da hat Broder schon einen starken Essay geschrieben. Keine Frage. Aber was das nun genau mit Online-Journalismus zu tun hat, kann mir vielleicht ja mal jemand erkären. In der Laudatio heisst es jedenfalls:

"Henryk M. Broder ist der Onlinejournalist des Jahres, weil er im Karikaturenstreit die Frage gestellt hat, wo eigentlich all die dänischen Fahnen herkommen. Und natürlich nicht nur deswegen. Der Spiegel-Autor stellt eigentlich immer die richtigen Fragen und beantwortet sie auch. Er ist polemisch und politisch absolut unkorrekt, manchmal möchte man jubeln, weil endlich mal jemand Klartext schreibt, machmal möchte man ihm widersprechen."

Erhellend sind auch die Kommentare der Tagesspiegel-Leser und auch die Diskussion im Blog von Thomas Knüwer zu Broders Internet-Artikel.