Archiv - Jens Petersen

Sie sehen das Archiv für April 2008
Für alle, die gestern nicht dabei waren, oder die sich schon mal auf die nächsten Termine einstimmen wollen, hier ein gut vier Minuten langer Film über unsere Diskussionsrunde gestern - inklusive kurzer Interviews mit allen Diskutanten.




Wie gesagt, weiter geht's am 27. Mai in Köln. Dann bei uns im Panel:

Dr. Helmut Heinen, BDZV-Präsident und Herausgeber der Kölnischen Rundschau
Ulrich Reitz, Chefredakteur WAZ
Hans Demmel, Geschäftsführer n-tv
Frank Thomsen, Chefredakteur stern.de
Moderation: Kai-Hinrich Renner, Welt/WAMS

Anmelden kann man sich hier.


media coffee "Im Sog des Internets" in Hamburg

media coffee "Im Sog des Internets" in Hamburg

media coffee "Im Sog des Internets" in Hamburg

So, das war' jetzt wirklich für heute. Morgen gibt es noch eine 'offizielle' Pressemitteilung und das angekündigte Video.


Tja, schade, das war's schon von unserer Auftaktveranstaltung. Gemessen am aktuellen Streitpotenzial in Sachen Web/ÖR-Rundfunk ging es doch einigermaßen friedlich auf dem Panel zu. Lediglich zwei Mal wurde es etwas lauter, als Joachim Knuth und Fried von Bismarck die eine oder andere Meinungsverschiedenheit austrugen. Aber was bleibt hängen von gut einer Stunde Diskussion, in der nicht nur an der Oberfläche gekratzt wurde, sonder auch Dinge zu hören waren, die man nicht unbedingt erwartet hat? Zum Beispiel merkte Wolfgang Blau an, dass der allergrößte Teil der Innovationen im Netz, nicht von originären Medienhäusern ausgegangen sind. Insgesamt war der Blick in die Zukunft aber alles andere als düster. Es hat sich also etwas getan in der Branche. Im letzten Jahr saß die Depression spürbar tiefer. Und das ist doch eigentlich eine schöne Nachricht.

Es hat sich jedenfalls gelohnt für die 400 Gäste heute Abend in der Bucerius Law School, dass sie den ersten echten Hamburger Frühlingstag in diesem Jahr nicht an Elbe oder Alster verbracht haben. Am 27. Mai geht's dann weiter in Köln.



Überraschende Verstärkung erhielt NDR-Vertreter Knuth von ZEIT-online-Chef Blau: "Ich war lange in den USA und habe gesehen, wie eine Medienlandschaft ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk aussieht. Ich bin im Ausland zu einem Befürworter unseres Rundfunksystems geworden, obwohl ich bei einem Printverlag angestellt bin."

Ein bischen Kritik am Veranstalter gab es dann auch von ihm: "Der Titel 'Im Sog des Internets - Was bleibt übrig von Print, TV und Internet' ist mir eigentlich zu deutsch. Mir wäre lieber gewesen 'Welche Chancen bietet das Internet - auf welche journalistischen Herausforderungen können wir uns freuen'."

Und zu guter Letzt noch eine ordentliche Ermahnung an den eigenen Berufsstand: "Die heutige Diskussion unter den Medienmachern erinnert mich an zwei Fürsten, die sich streiten, und nicht dabei nicht merken, wie ihr Stammesvolk unterdessen auswandert. Wir müssen in Deutschland viel mehr darauf achten, wer die wirklichen Konkurrenten sind, wie etwa Blogs, ausländische Angebote und andere Plattformen."


Keinen Zweifel ließ NDR-Hörfunkdirektor Joachim Knuth daran, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ins Internet strebt: "Wir wollen mit unseren Qualitätsinhalten ins Netz. Und das sind hauptsächlich Filme und Audios. Die müssen wir aber mit Wort und Bild verknüpfen. Wir wollen aber in jedem Fall sicher stellen, dass niemand, der bereits seine Gebühren bezahlt hat, im Internet noch einmal zahlen muss."


Schlechte Nachrichten für die Verleger vermeldete Wolfgang Blau, Chefredakteur ZEIT online: "Um eine pessimistische Note komme ich jedenfalls heute nicht herum: Es gibt zu viele Tageszeitungen in Deutschland. Ich glaube, dass in den nächsten Jahren einige Blätter nur noch wochenweise erscheinen werden."


Sehr optimistisch blickt Steffen Klusmann, Chefredakteur der Financial Times Deutschland, in die Zukunft, auch wenn der Medienmarkt in den nächsten Jahren komplett aufgemischt werden sollte. "Das Internet wird in drei, vier Jahren ein ganz anderes als heute sein. Es wird immer mehr Leute geben, die sich komplett Print verweigern. In den USA werden bereits drei Viertel der Auflagen der großen Wirtschaftstitel verschenkt, weil keiner mehr dafür bezahlen will. Und wer soll die ganzen Sachen im Netz finanzieren, wird immer gefragt. Natürlich wird auch das Anzeigengeschäft immer mehr ins Netz wandern. Mir ist es nur wichtig, dass wir auch in Zukunft Qualitätsjournalismus bieten können, dass wir auch in Zukunft Leute abstellen können, die tief bohren und in Geschichten einsteigen können."


Menso Heyl, Chefredakteur Hamburger Abendblatt, bekennt ganz offen, dass er gerne enger an NDR heranrücken würde . "Wir arbeiten bei den Bewegtbildern mit Hamburg 1 zusammen, einem kleinen privaten Player. Ich wünschte aber, wir könnten mehr zusammen machen mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohne unseren jetzigen Partner zu verdrängen. Allerdings geht das ja aus den verschiedenen Gründen noch nicht. Wir würden aber auch dort recht schnell an die Grenzen einer Vier-Länder-Anstalt stoßen, die für Hamburger Themen nur begrenzte Sendeplätze übrig hat."


Das geht ja gleich gut los. Moderator Meinolf Ellers von dpa-infocom legt den Finger auf die Wunde: Was darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Netz? Fried von Bismarck, Verlagsleiter beim SPIEGEL nimmt kein Blatt vor den Mund: "Ich halte es für ein Unding, das die deutschen Gebühren finanzierten Rundfunkanbieter sagen, sie dürften alles im Netz alles machen, was auch die anderen tun. Niemand würde ja zum Beispiel auf die Idee kommen, dem Deutschlandfunk zu sagen, er müsse jetzt Fernsehen machen. Da muss letztendlich die Politik eine Antwort finden und nicht die Sender."


08.04.2008: Endlich Startschuss!

Ab heute läuft sie wieder, unsere media coffee-Reihe. Natürlich geht es auch in diesem Jahr um Medien, Web und Kommunikation. Titel: "Im Sog des Internets - Was bleibt übrig von Print, TV und Radio?" Die ersten Gäste trudeln bereits ein, um 18.30 Uhr starten wir ...

media coffee im letzten Jahr in Köln.

Heute begrüßen wir auf dem Panel Fried von Bismarck vom SPIEGEL, Wolfgang Blau von ZEIT online,
Menso Heyl vom Hamburger Abendblatt, Steffen Klusmann von der FTD und Joachim Knuth vom NDR. Eine spannende Diskussion können wir sicher erwarten, denn der Streit darüber, ob Verlage im Web kostenfrei Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen zeigen dürfen, ist bekanntermaßen ja gerade mal wieder kräftig hochgekocht.

Ab 18.30 Uhr gibt es hier von mir live Statements der Diskutanten. Und wer es noch etwas bequemer haben möchte, auf den wartet ab morgen Mittag ein Video in diesem Blog.