These: Was derzeit am Kapitalmarkt passiert, ist großartig für die Kommunikationsbranche!

Während sich mancher PR-Stab den Kopf darüber zerbricht, wie er seinen Wertschöpfungsbeitrag gegenüber dem Vorstand mit Kennzahlen belegen kann, werden anderswo Milliarden-Werte mit Kommunikation bewegt. Einfach so.



Da schießen die Shorts mit Bear Stearns einen Mega-Finanzriesen sturmreif. Schlicht mit Gerüchten, die die Kommunikation des Instituts so kurzfristig nicht ausreichend wirksam entkräften konnte. Die Maschine hatte sich in Gang gesetzt und verselbstständigt: das Prinzip der self-fulfilling prophecy. Und weil das so gut geklappt hat, scheinen nun Lehman Brothers und - seit dieser Woche - Fortis dran zu sein. Plötzlich wird Vertrauen zur beinharten (Milliarden-) Währung.

Klingt nach Räuberpistolen? Die Indizien aber sind deutlich. So deutlich, dass sich die SEC zum Eingreifen bemüßigt fühlt: Sie ermittelt nicht nur gegen einzelne Hedge Fonds, sondern auch gegen Top-Adressen der Weltfinanz wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank. - Und verbietet ab nächster Woche zeitweise gar die Leerverkäufe einzelner Finanzwerte.

Jaja, die Weltfinanz, die Hedge Fonds, die Heuschrecken…das kennt man ja…absurd was dort geschieht, beängstigend, aber auch abstrakt und weit weg. Nur: Auch dieser Frame passt plötzlich nicht mehr! Oder haben Sie in den letzten Monaten noch was von den bösen Heuschrecken gehört? Einzig Permira bedient noch ein wenig das Klischee, in dem bei Hugo Boss innerhalb weniger Monate der dritte Vorstand geschasst wird. Doch das reicht bei Handelsblatt, FTD & Co. nur noch für eine Meldung, während die Finanzpresse seitenweise die Übernahme eines Dax-Konzerns durch ein Familienunternehmen als Soap inszeniert. Geile Geschichte mit allem drum und dran: Macht, Geld, Intrigen, Klein gegen Groß. Und jeden Tag eines neues Häppchen: Gute Aktien, schlechte Aktien.

Die soliden, deutschen Familienunternehmen sind plötzlich die Heuschrecken, nach Porsche bei Volkswagen nun Schaeffler bei Conti. Zweimal David gegen Goliath mit vertauschten Rollen. Zweimal süddeutscher Familienbetrieb als aggressiver Akteur auf dem Börsenparkett . Die Heuschrecken sind derweil zu zirpenden Grillen geworden, investieren jetzt in Windkraft statt geleveragede Buy outs. Wie soll Otto-Normalbürger da noch durchblicken?

Das bedeutet doch: Der Raum für Interpretation wird immer größer und mithin auch die Notwendigkeit zur Steuerung selbiger. Man könnte einwenden, dies finde nur am Kapitalmarkt statt. Aber: Tragen solche Geschehnisse nicht generell zur Steigerung der Akzeptanz von Kommuniktionsmanagement bei? Die Welt wird komplexer und mithin Realität gestaltbarer. Lässt derlei den Gedanken eines Unternehmenslenkers, dass Kommunikation eine Schlüsselfunktion für die Unternehmensführung sein könnte, selbigem nicht weniger absurd erscheinen? Kommt er nicht zwangsläufig ins Grübeln darüber, welchen Risiken er und sein Unternehmen ausgesetzt sind?

Was meinen Sie?