...halte ich persönlich ja für ein überzeichnetes Phänomen: Richtig gute Leute werden gebraucht und haben entsprechend auch viele Möglichkeiten (und Angebote). Ich krieg´s ja ständig bei meinen Kommilitonen mit. Warum also das Rumgeheule? Das regelt der Markt.

Dieser Meinung bin ich nachwievor. Aber: Es gibt sie, die widerlichen Stellenausschreibungen. Und so muss es dafür ja auch (verzweifelte) Bewerber geben?!

Aktuelles Beispiel von der DPRG-Website: Da sucht eine Agentur mit "rund 80 festen Mitarbeitern" und einem "integrierten Ansatz" in der Denke einen Praktikanten: Erste Erfahrung in PR und Tourismus soll er mitbringen, einige Monate im Ausland gewesen sein und über sehr gute Englischkenntnisse verfügen, idealerweise noch Spanisch oder Italienisch sprechen. - Dafür gibt´s dann ein Praktikum bei wöchentlicher Arbeitszeit von 40 Stunden für sagenhafte 325 Euro im Monat. Der wahre Lohn: "Bei entsprechender Eignung besteht die Option auf Übernahme in ein Volontariat".

Soweit so gut. Anrüchig finde ich auch dieses Angebot schon, spannend wird´s dann aber erst, schaut man sich die nächste Stellenanzeige an:


Da wird dann nämlich das "Volontariat" angeboten: Die aufgezählten Aufgaben sind dieselben wie für die gleichzeitig ausgeschriebene Praktikumsstelle. Im Praktikum soll man also beweisen, dass man die Eignung zur Erfüllung der gleichen Aufgaben bei einem möglicherweise, eventuell, vielleicht anschließenden Volontariat hat... - ist klar!. Unterschiedlich sind dann offenbar die Bedingungen, die sind im Volo vieeeeel besser: 24 (!) Monate Volontariat mit gestaffeltem Gehalt: 400, 800, 900 und am Schluss gar sagenhafte 1.000 Euro für eine 40-Stunden-Woche. - Mal ernsthaft: Welcher junge Mensch, der vier, fünf Jahre studiert hat, Praktika absolviert hat, sprachlich fit ist und bis drei zählen kann, macht sowas? Vollzeit arbeiten und die Wohnung muss weiterhin von Papa bezahlt werden? Dann doch lieber Burger braten bei Mc Donald´s... - Rechnen Sie mal den Stundenlohn aus, nur so zum Spaß!

Mich regt es weniger auf, dass sowas angeboten wird. Wie gesagt, der Markt... - ABER es stellt sich doch die Frage nach der Qualität solcher Agenturen: Was soll eine Agentur leisten, deren Mitarbeiter so schlecht qualifiziert (?) sind, dass sie SOWAS machen wollen oder müssen??? - Da sollte sich mancher Kunde schon Gedanken machen, wen er da für ein paar hundert Euro am Tag verkauft kriegt... Im Fall von häberlein & maurer sind das u.a. Adidas, Sony und der ADC, der sich so gern mit seiner Nachwuchsförderung brüstet und gar Mindeststandards für Praktika definiert hat - u.a. ein monatliches MINDESTgehalt von 350 Euro. Zu Verantwortung - neudeutsch "CSR", gehört auch die Überprüfung der Lieferanten - nicht nur in asiatischen Sweatshops. Und letztlich, wie gesagt, vor allem im eigenen (Qualitäts-)Interesse.

Dabei sollte die DPRG bei nächster Gelegenheit mal überlegen, ob sie weiterhin jeden Schrott ungefiltert auf ihre Website lässt. Stichwort für die Branchenvertretung der Imagemacher: Branchenimage.

Besonders schön ist übrigens das Jobmenü auf der Website dieser sensationellen Agentur: "Gute PR bedingt gute Mitarbeiter". - Mahlzeit.