Wir wollten wissen, ob die jüngsten Vorkommnisse um Liechtenstein und Nokia Bochum Einfluss auf das Vertrauen der deutschen Meinungselite in die Institutionen haben. Die Antwort: Ja, haben sie.
Das Edelman Trust Barometer 2008 wurde erst kürzlich in Davos vorgestellt. Die Erhebung dazu fand im Herbst 2007 statt. Wir wollten nicht bis zum nächsten Herbst warten und haben eine Anschlußerhebung in Auftrag gegeben: 500 Personen wurden befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die beiden Vorfälle haben die ohnehin bereits eingeleitete Vertrauenskrise in Deutschland zementiert.

Die Anzahl derjenigen, die der Wirtschaft ihr Vertrauen aussprachen, sank von 35 (Herbst-Erhebung) auf 29 Prozent ab. Galten CEOs ohnehin nur sehr eingeschränkt als glaubwürdige Quelle für Informationen über das von ihnen geführte Unternehmen, so fiel dieser Wert nochmals weiter – von 24 Prozent Ende 2007 auf nur noch 18 Prozent aktuell. 14 Prozent der Befragten gaben dabei sogar an, CEOs seien als Informationsquelle „vollkommen unglaubwürdig“. Mehr als die Hälfte der Meinungsführer führen ihr gestiegenes Misstrauen auf die jüngsten Vorkommnisse in Liechtenstein und Bochum zurück. 57 Prozent der Befragten sehen sich dadurch in ihrem persönlichen Misstrauen gegenüber CEOs bestätigt.
Was tun? Es geht einerseits um veränderte Parameter der Vertrauensbildung, um Machtverschiebungen, um Kontrollaufgabe. Vielmehr allerdings geht es um Werte. Uwe Jean Heuser und Robert Leicht in "Die Zeit" letzte Woche: „Vertrauen entsteht, wo maßgehalten, Wahrhaftigkeit beweisen und Courage gezeigt wird.“