Cornelia Kunze

CEO Edelman Germany

Ich wollte nicht in die PR. Die mehreren hundert Diplomkaufleute der Uni Köln verteilten sich damals 1989 auf McKinsey, Investmentbanking und Co. Ein paar - darunter ich - wanderten in die Markenartikelindustrie. Meine ...
In Davos suchen seit Mittwoch dieser Woche bei Minusgraden Politiker und Wirtschaftschefs nach Möglichkeiten, die Welt nach der Krise zu gestalten.
Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, sagte zur Ankündigung von Davos: „Wir kommen nie aus der Krise, wenn wir nicht Vertrauen wieder herstellen.“



Wir, Edelman, präsentieren heute in Berlin Gästen aus Politik und Wirtschaft die Ergebnisse des 10. Edelman Vertrauensbarometers. Die Ergebnisse bestätigen das, was sich nach intensiver Tageszeitungslektüre der letzten Wochen und Monate aufdrängt: Dramatisch niedrige Vertrauenswerte weltweit – von wenigen Ausnahmen (vor allem in Schwellenländern) abgesehen.

Staat und Wirtschaft verlieren – und keine Institution fängt das Vertrauensvakuum auf. Drei Viertel der Befragten rufen nach einem Mehr an Staat – mehr Regulierung, mehr Kontrolle. Die Lösung der großen gesellschaftlichen Probleme – Klimawandel, Finanzkrise, Energiekosten, Gesundheitskosten – verlange nach partnerschaftlichem Vorgehen, so die Ergebnisse. Industrie, Regierung und Bürger sind gemeinsam gefragt, die Lösung voranzutreiben.

Einige Ergebnisse aus Deutschland:


Zum 6. Mal jährten sich die Romanian Public Relations Awards in der ersten Oktoberwoche in Bucharest, ich war dabei – als Jury-Mitglied. Thomas Achelis, Präsident des Forum for International Communcations in Bucharest, hat den Wettbewerb ins Leben gerufen, um der rumänischen PR Industrie (etwa 5000 Beschäftigte) zu mehr Ansehen in In- und Ausland zu verhelfen. Motto der Veranstaltung „PR at a crossroad: from working bee to queen bee“. Nach der größten Herausforderung für die Industrie befragt sagt Dana Oancea, Mit-Organisatorin des Events: „Die Anerkennung und der Umsetzung der internationalen ethischen Standards des PR-Berufes sehe ich als große Herausforderung. In dem Dreieck PR-Presse-Öffentlichkeit tauchen immer wieder ethische Konflikte auf, wie zum Beispiel das Veröffentlichen einer News im Tausch einer Zahl von Anzeigen in der selben Publikation. PR-Artikel als Dank für Werbeverträge werden weiterhin als normal angesehen und von den meisten PR Leuten und Journalisten nicht als schädlich für die Entwicklung des PR Berufes angesehen.“ Die Romanian PR Week hat auch zum Ziel, rumänischen PR-Profis eine Plattform anzubieten, und ein Treffpunkt derer zu werden, die bereit sind internationale Standards anzuerkennen und umzusetzen.


Wir wollten wissen, ob die jüngsten Vorkommnisse um Liechtenstein und Nokia Bochum Einfluss auf das Vertrauen der deutschen Meinungselite in die Institutionen haben. Die Antwort: Ja, haben sie.
Das Edelman Trust Barometer 2008 wurde erst kürzlich in Davos vorgestellt. Die Erhebung dazu fand im Herbst 2007 statt. Wir wollten nicht bis zum nächsten Herbst warten und haben eine Anschlußerhebung in Auftrag gegeben: 500 Personen wurden befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die beiden Vorfälle haben die ohnehin bereits eingeleitete Vertrauenskrise in Deutschland zementiert.


Lamentieren hilft da nicht - es ist einfach so: die Deutschen vertrauen ihren Institutionen nicht - weder den Medien so richtig, noch der Wirtschaft und schon gar nicht der Politik. Und immerhin 11 Nationen vertrauen den deutschen Unternehmen mehr, als es die deutschen Befragten tun.

Die einzigen Institutionen, die einigermaßen gut wegkommen, sind die NGOs. Wohlgemerkt, unsere Studie fand vor der aktuellen Krise einer großen NGO statt.

Wie können Kommunikatoren die Ergebnisse der Studie für sich nutzen? - Ein paar Toplines:


Wer versucht, den Einfluss von Medien oder Personen in Ranking-Listen zu fassen, stellt sich leichtsinnig ins Rampenlicht der Kritik und fordert geradezu heraus, als oberflächlich, unwissenschaftlich, fahrlässig oder gar manipulativ "bezeichnet" (eines der freundlichen Wörter in diesem Zusammenhang) zu werden.

Insbesondere in unserem deutschen Kulturkreis, in dem Diskussionen bekanntermaßen eher als Fehler-Suche denn als Bemühen um gemeinsamen Fortschritt ablaufen. Soviel zu meinen Erfahrungen.