09.02.2007: Blognutzer sind "investigative Multiplikatoren"
Von: Ansgar Zerfass
Die Ergebnisse der von uns in Kooperation mit Ask.com Deutschland durchgeführten "Blogstudie 2007" liegen jetzt vor. Durch die Befragung von über 600 Trendsettern und Heavay-Usern im Internet konnten fünf verschiedene Typen von Blognutzern identifiziert und die Motivation von Bloglesern und Blogschreibern verglichen werden. Mehrheitlich sind Blognutzer „investigative Multiplikatoren“, also Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Blognutzer sind demnach interessante Dialogpartner für alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen. Die Studie behandelt ferner die Glaubwürdigkeit von Weblogs (Corporate Blogs schneiden schlecht ab) und die derzeit vorherrschende Orientierungslosigkeit in der Blogosphäre - gefragt sind spezialisierte Suchen und eine verbesserte Usability.
Unklares Bild von Weblogs auch bei erfahrenen Nutzern
Zielgruppe der Studie waren Menschen, die im Internet zu Hause sind: 96 Prozent der Befragten nutzen das Internet mehrmals täglich. Die Nutzungsgewohnheiten dieser Trendsetter und Heavy-User können als Indikator für die künftige Entwicklung der Kommunikationslandschaft interpretiert werden. Die Befragten sind mit Weblogs gut vertraut (lediglich 12,7 Prozent konnten nichts mit dem Begriff anfangen), verbinden jedoch individuell sehr unterschiedliche Assoziationen damit, die vom „Tagebuch ohne Schlüssel“ über ein „Selbstvermarktungsinstrument“ und einen „riesigen Heuhaufen“ bis zur „täglichen Informationsquelle“ reichen. Insgesamt haben Blogs eine hohe Relevanz: 84 Prozent der Befragten meinen, dass Blogs Insiderwissen an die Öffentlichkeit bringen.
Im Einzelnen identifiziert die Studie fünf verschiedene Blognutzer: 17,7 Prozent der Befragten wurden als „Social Networker“ klassifiziert. Sie nutzen Blogs in erster Linie um in Kontakt mit Freunden zu bleiben, neue Bekanntschaften zu knüpfen und sich mit anderen auszutauschen. Ebenfalls 17,7 Prozent zählt die Gruppe der „Selbstdarsteller“. Sie behaupten von sich „etwas zu sagen zu haben“ und möchten Ärger und Kritik loswerden. Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an. Die größte Gruppe bilden allerdings die „Wissensdurstigen“ (23,7 Prozent). Sie nutzen Blogs in erster Linie um Hintergrundinformationen zu suchen; klassischen Medien trauen sie weniger als andere Gruppen. Zwei weitere Gruppen sind die „Informationssucher“ (18,9 Prozent) und die „Aktiven Konsumenten“ (22,8 Prozent). Sie sind auf der Suche nach aktuellen Nachrichten bzw. Produktinformationen. Diese beiden Gruppen bestehen mehrheitlich aus Bloglesern und weniger aus Schreibern.
Neue Meinungsmacher setzen sich durch
Blogs im Allgemeinen und insbesondere Fachblogs sind wichtige Impulsgeber für neue Ideen und dienen als Grundlage der Meinungsbildung. Über zwei Drittel der Befragten (69,3 Prozent) entdecken in Fachblogs neue Themen und bilden sich hieraus eine Meinung. Lediglich 2,1 Prozent der Befragten trauen den Inhalten von Fachblogs nicht. Verblüffend ist das gute Abschneiden privater Blogs. Immerhin die Hälfte (51 Prozent) suchen dort nach Anregungen – und nur 12,1 Prozent trauen den Inhalten privater Blogs nicht. Damit schneiden private Weblogs fast so gut ab wie journalistische, aus denen sich 62,7 Prozent eine Meinung bilden und denen nur 7,2 Prozent nicht trauen.
Motivationen von Blogschreibern und Bloglesern
Die Gründe, weshalb ein Blog genutzt wird, sind mindestens ebenso verschieden – hier lassen sich aber Blogschreiber und Blogleser wie die Spreu vom Weizen trennen. Blogger scheinen im Gegensatz zu Bloglesern ein viel stärkeres Sendungsbewusstsein zu haben: 66,8 Prozent der Blogger bloggen, weil sie meinen „etwas zu sagen zu haben“. Die Leser sind da weniger eitel: von ihnen behaupten dies nur 7,5 Prozent. Als Motivation für das Schreiben eines Weblogs gab fast jeder fünfte Blogger (18,5 Prozent) an, „Leute aufklären“ zu wollen und 16,1 Prozent zielen sogar darauf „die Gedanken anderer zu beeinflussen“. Bei den Blog-Lesern überwiegt das Motiv der Informationssuche. Jeder Vierte (26,5 Prozent) nutzt Blogs, um sich über Produkte zu informieren, während nur 3,7 Prozent der Schreiber dies tun.
Bei der Frage nach dem Informationsangebot von Blogs herrscht in beiden Gruppen Einigkeit: 68,3 der Leser und 64,4 Prozent der Schreiber meinen, in Blogs Informationen zu finden, die sie sonst nirgends finden. Auch zur Recherche von Hintergrundinformationen sind Blogs relevant. 56 Prozent der Leser und 47,3 Prozent der Schreiber informieren sich hier bei aktuellen Ereignissen.
Orientierung ist gefragt
In der Blogosphäre herrscht Orientierungslosigkeit. Meistens werden relevante Blogs durch Verweise in anderen Blogs (70,1 Prozent) oder durch Empfehlungen von Freunden gefunden (53,6 Prozent). Jeder zweite Befragte stößt rein zufällig beim Surfen auf ein Blog, das ihn interessiert. Sowohl Suchmaschinen wie auch spezielle Blogsuchen sind zurzeit noch unterrepräsentiert – nur circa jeder dritte Surfer nutzt einen solchen Service. Die schwierige Auffindbarkeit von Blogs wird von den Nutzern als hauptsächlicher Hinderungsgrund für die Nutzung von Blogs angegeben. Zwei Drittel der Blognutzer gaben in diesem Zusammenhang an, dass sie Weblogs stärker nutzen würden, wenn sie diese schneller fänden.
Die Eckdaten zur Studie
>> Titel:
Blogstudie 2007: Informationssuche im Internet - Blogs als neues Recherchetool
>> Zielgruppe:
Internetnutzer in Deutschland
>> Teilnehmer
n=605 (bereinigtes Gesamtsample)
>> Alter:
11 bis 73 Jahre, Durchschnitt 32 Jahre
>> Geschlecht:
39,5 Prozent der Befragten sind Frauen, 60,5 Prozent Männer
>> Affinität:
96 Prozent der Befragten nutzen des Internet (mehrmals) täglich
>> Zeitraum der Befragung:
06. bis 30.12.2006
>> Methode:
Online-Umfrage, selbstrekrutierend
>> Durchführung:
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig (Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, Janine Bogosyan)
>> Ergebnisberícht als PDF:
www.blogstudie2007.de
Unklares Bild von Weblogs auch bei erfahrenen Nutzern
Zielgruppe der Studie waren Menschen, die im Internet zu Hause sind: 96 Prozent der Befragten nutzen das Internet mehrmals täglich. Die Nutzungsgewohnheiten dieser Trendsetter und Heavy-User können als Indikator für die künftige Entwicklung der Kommunikationslandschaft interpretiert werden. Die Befragten sind mit Weblogs gut vertraut (lediglich 12,7 Prozent konnten nichts mit dem Begriff anfangen), verbinden jedoch individuell sehr unterschiedliche Assoziationen damit, die vom „Tagebuch ohne Schlüssel“ über ein „Selbstvermarktungsinstrument“ und einen „riesigen Heuhaufen“ bis zur „täglichen Informationsquelle“ reichen. Insgesamt haben Blogs eine hohe Relevanz: 84 Prozent der Befragten meinen, dass Blogs Insiderwissen an die Öffentlichkeit bringen.
Im Einzelnen identifiziert die Studie fünf verschiedene Blognutzer: 17,7 Prozent der Befragten wurden als „Social Networker“ klassifiziert. Sie nutzen Blogs in erster Linie um in Kontakt mit Freunden zu bleiben, neue Bekanntschaften zu knüpfen und sich mit anderen auszutauschen. Ebenfalls 17,7 Prozent zählt die Gruppe der „Selbstdarsteller“. Sie behaupten von sich „etwas zu sagen zu haben“ und möchten Ärger und Kritik loswerden. Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an. Die größte Gruppe bilden allerdings die „Wissensdurstigen“ (23,7 Prozent). Sie nutzen Blogs in erster Linie um Hintergrundinformationen zu suchen; klassischen Medien trauen sie weniger als andere Gruppen. Zwei weitere Gruppen sind die „Informationssucher“ (18,9 Prozent) und die „Aktiven Konsumenten“ (22,8 Prozent). Sie sind auf der Suche nach aktuellen Nachrichten bzw. Produktinformationen. Diese beiden Gruppen bestehen mehrheitlich aus Bloglesern und weniger aus Schreibern.
Neue Meinungsmacher setzen sich durch
Blogs im Allgemeinen und insbesondere Fachblogs sind wichtige Impulsgeber für neue Ideen und dienen als Grundlage der Meinungsbildung. Über zwei Drittel der Befragten (69,3 Prozent) entdecken in Fachblogs neue Themen und bilden sich hieraus eine Meinung. Lediglich 2,1 Prozent der Befragten trauen den Inhalten von Fachblogs nicht. Verblüffend ist das gute Abschneiden privater Blogs. Immerhin die Hälfte (51 Prozent) suchen dort nach Anregungen – und nur 12,1 Prozent trauen den Inhalten privater Blogs nicht. Damit schneiden private Weblogs fast so gut ab wie journalistische, aus denen sich 62,7 Prozent eine Meinung bilden und denen nur 7,2 Prozent nicht trauen.
Motivationen von Blogschreibern und Bloglesern
Die Gründe, weshalb ein Blog genutzt wird, sind mindestens ebenso verschieden – hier lassen sich aber Blogschreiber und Blogleser wie die Spreu vom Weizen trennen. Blogger scheinen im Gegensatz zu Bloglesern ein viel stärkeres Sendungsbewusstsein zu haben: 66,8 Prozent der Blogger bloggen, weil sie meinen „etwas zu sagen zu haben“. Die Leser sind da weniger eitel: von ihnen behaupten dies nur 7,5 Prozent. Als Motivation für das Schreiben eines Weblogs gab fast jeder fünfte Blogger (18,5 Prozent) an, „Leute aufklären“ zu wollen und 16,1 Prozent zielen sogar darauf „die Gedanken anderer zu beeinflussen“. Bei den Blog-Lesern überwiegt das Motiv der Informationssuche. Jeder Vierte (26,5 Prozent) nutzt Blogs, um sich über Produkte zu informieren, während nur 3,7 Prozent der Schreiber dies tun.
Bei der Frage nach dem Informationsangebot von Blogs herrscht in beiden Gruppen Einigkeit: 68,3 der Leser und 64,4 Prozent der Schreiber meinen, in Blogs Informationen zu finden, die sie sonst nirgends finden. Auch zur Recherche von Hintergrundinformationen sind Blogs relevant. 56 Prozent der Leser und 47,3 Prozent der Schreiber informieren sich hier bei aktuellen Ereignissen.
Orientierung ist gefragt
In der Blogosphäre herrscht Orientierungslosigkeit. Meistens werden relevante Blogs durch Verweise in anderen Blogs (70,1 Prozent) oder durch Empfehlungen von Freunden gefunden (53,6 Prozent). Jeder zweite Befragte stößt rein zufällig beim Surfen auf ein Blog, das ihn interessiert. Sowohl Suchmaschinen wie auch spezielle Blogsuchen sind zurzeit noch unterrepräsentiert – nur circa jeder dritte Surfer nutzt einen solchen Service. Die schwierige Auffindbarkeit von Blogs wird von den Nutzern als hauptsächlicher Hinderungsgrund für die Nutzung von Blogs angegeben. Zwei Drittel der Blognutzer gaben in diesem Zusammenhang an, dass sie Weblogs stärker nutzen würden, wenn sie diese schneller fänden.
Die Eckdaten zur Studie
>> Titel:
Blogstudie 2007: Informationssuche im Internet - Blogs als neues Recherchetool
>> Zielgruppe:
Internetnutzer in Deutschland
>> Teilnehmer
n=605 (bereinigtes Gesamtsample)
>> Alter:
11 bis 73 Jahre, Durchschnitt 32 Jahre
>> Geschlecht:
39,5 Prozent der Befragten sind Frauen, 60,5 Prozent Männer
>> Affinität:
96 Prozent der Befragten nutzen des Internet (mehrmals) täglich
>> Zeitraum der Befragung:
06. bis 30.12.2006
>> Methode:
Online-Umfrage, selbstrekrutierend
>> Durchführung:
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig (Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, Janine Bogosyan)
>> Ergebnisberícht als PDF:
www.blogstudie2007.de






