Ansgar Zerfass

Universitätsprofessor für Kommunikationsmanagement, Universität Leipzig

Kreative Ideen entstehen meist, wenn man etablierte Pfade verläßt und die Tore zu neuen Disziplinen aufstößt. Das ist der Grund, warum ich als studierter ...
Eine seltene Gelegenheit zum intensiven Austausch über die aktuellen Trends der PR 2.0 verspricht das EuroBlog 2008-Symposium "Social media and the future of PR: New ideas, new research, new business" vom 13. bis 15. März in Brüssel. David Weinberger, Verfasser des Cluetrain-Manifests, und micropersuasion-Blogger Steve Rubel aus den USA, Neville Hobson aus Großbritannien, Martin Oetting und Thomas Pleil aus Deutschland sowie Philippe Borremans aus Belgien sind nur einige der angekündigten Diskussionspartner. Zahlreiche Fallbeispiele und ein Panel zu Social Web als Unterrichtsmedium ergänzen das Programm. Seitens der europäischen PR-Forscherorganisation EUPRERA wollen wir gemeinsam mit Edelman als Veranstalter ein Zeichen setzen für einen doppelten Brückenschlag zwischen USA und Europa sowie zwischen Theorie und Praxis. Wer dabei sein möchte, sollte Neugier und Diskussionsfreude mitbringen sowie sich baldmöglichst unter www.euroblog2008.org anmelden. Denn es wird keine anonyme Großveranstaltung werden, sondern eine überschaubare Konferenz für alle, die den Strukturwandel der Kommunikation mitgestalten wollen. Die Teilnahme ist erschwinglich; Studierende werden sogar gesponsort und können kostenlos dabei sein.


Zum Jahresbeginn haben wir heute eine qualitative Studie vorgestellt, die zusammen mit der GPRA Gesellschaft Public Relations Agenturen e. V. entstanden ist. Entscheider für Unternehmens- und Produktkommunikation in namhaften Unternehmen (u. a. dabei: ABB, Bosch, eBay, GEA, Microsoft, McDonalds, Nike, Otto, Puma, Ravensburger) wurden befragt, wie sich die PR auf den Strukturwandel der Kommunikation einstellen muss. Die Ergebnisse: Die Verknüpfung von Strategie und Kommunikation sowie die Auswahl passender Instrumente für differenzierte Zielgruppen wird schwieriger. Das erhöht die Anforderungen an transparente Prozesse, Evaluationsmethoden und die Zusammenarbeit mit Dienstleistern. Die Herausforderungen sind erkannt: PR-Entscheider sind mehrheitlich bereit, einen Teil ihrer weiterhin steigenden Budgets in fundierte Beratung zu technologischen und sozialen Entwicklungen, Pilotprojekte und neue Mitarbeiter zu investieren. Bisherige Geschäftsmodelle von PR-Agenturen bleiben zwar profitabel, bieten aber wenig Phantasie. Insgesamt konnten wir sechs Herausforderungen für Dienstleister identifizieren - ganz wichtig ist meiner Meinung nach dabei die von Thomas Mickeleit bereits angesprochene Kompetenz für Bewegtbild-Kommunikation. Dieses Thema wird die Branche in 2008 stark bewegen, vor allem im Zusammenhang mit IPTV.


Strategien für das Social Web aus PR-Sicht standen im Mittelpunkt des EuroBlog 2007-Symposiums am vergangenen Freitag und Samstag in Gent (Belgien). Zu hören gab es neben einer Keynote von Neville Hobson viele spannende Fallstudien, u. a. über die Erfahrungen von BASF, BMW, IKEA und Siemens sowie die verschiedenen bloggenden Bus- und Metro-Fahrer in Brüssel. Dort hat sich die Meinungsäußerung ganz neue Wege gebahnt, mit der derzeit weder das Management noch die Gewerkschaften umgehen können. Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse unserer zweiten europaweiten Umfrage zur Nutzung von Social Software im Kommunikationsmanagement. Ein Ergebnis: Jeder zweite PR-Verantwortliche in Europa nutzt RSS-Feeds, um Weblogs zu beobachten, 20 Prozent (Vorjahr: 6%) der 400 befragten Kommunikationsmanager aus 24 Ländern setzen auf professionelle Monitoring-Services. Digitale Kompetenzen bieten eine Profilierungschance für PR-Manager und Agenturen.


Die Ergebnisse der von uns in Kooperation mit Ask.com Deutschland durchgeführten "Blogstudie 2007" liegen jetzt vor. Durch die Befragung von über 600 Trendsettern und Heavay-Usern im Internet konnten fünf verschiedene Typen von Blognutzern identifiziert und die Motivation von Bloglesern und Blogschreibern verglichen werden. Mehrheitlich sind Blognutzer „investigative Multiplikatoren“, also Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Blognutzer sind demnach interessante Dialogpartner für alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen. Die Studie behandelt ferner die Glaubwürdigkeit von Weblogs (Corporate Blogs schneiden schlecht ab) und die derzeit vorherrschende Orientierungslosigkeit in der Blogosphäre - gefragt sind spezialisierte Suchen und eine verbesserte Usability.


Alle Welt spricht von der wachsenden Bedeutung der Online-Kanäle für die Kommunikation von Unternehmen. Doch die, die tagtäglich die Internet- und Intranetauftritte bestücken, stehen kaum im Rampenlicht. Deshalb lohnt sich ein Blick auf einen Wettbewerb des Magazins contentmanager.de, der mir heute auf den Tisch gekommen ist: wer nicht älter als 28 Jahre alt ist und als Online-Redakteur in einem Unternehmen oder einer Organisation arbeitet, kann eigene Texte per Link einreichen. Einsendeschluss ist der 15. Februar, die Preise gibt es dann auf der CeBIT in Hannover.